In Rühstädt (Prignitz) gab es sogar so viele junge Adebare wie seit zehn Jahren nicht mehr.
„Ob es insgesamt ein gutes oder eher ein mittleres Storchenjahr war, wissen wir erst, wenn im Oktober alle Daten vorliegen“ , sagte Storchenexperte Michael Kaatz vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und ist optimistisch. Viele Jungvögel, aber auch Alte, seien schon gen Afrika abgeflogen. „Zwar war das Nahrungsangebot wegen der Hitze teils etwas mager, aber zur Dürreperiode waren die Kleinen schon aus den Gröbsten raus“ , erinnert er sich. So habe es keine verstärkten Verluste unter Jungstörchen gegeben.
Nach früheren Nabu-Schätzungen könnten es in diesem Jahr landesweit rund 1300 Paare und 2500 Jungstörche gewesen sein. Im vergangenen Jahr gab es lediglich 1200 Paare mit etwa 1500 Jungen. Für dieses Jahr vermeldete beispielsweise das westliche Havelland fast doppelt so viel Nachwuchs an Störchen wie im Vorjahr. Der Nabu-Regionalverband zählte 102 Jungstörche. 2005 waren es nur 52 gewesen.
„Eine Ursache war die wetterbegünstigte frühe Rückkehr der Tiere aus den Winterquartieren im Süden sowie der feuchte Frühsommer“ , sagte ein Sprecher. Dadurch habe es für die Störche reichlich Insekten und genügend Kleintiere als Futter gegeben. Auch in der West-Prignitz war es laut Nabu ein sehr gutes Storchenjahr gewesen. „Wir hatten 137 Paare und 329 Jungstörche und damit deutlich mehr als 2005,“ sagte Kreisstorchenbetreuer Herbert Schulz. Die kühlen Tage seien glücklicherweise nicht in die Schlupfzeit gefallen.
Im Europäischen Storchendorf Rühstädt sind in diesem Jahr laut „Storchenvater“ Artur Labrenz 77 kleine Adebare geschlüpft - im Vorjahr seien es nur 34 gewesen. „Nach dem Störungsjahr 2005 war es ein richtig gutes Storchenjahr, dank des Frühjahrshochwassers an der Elbe gab es insgesamt beste Nahrungsbedingungen“ , sagte Kathleen Awe vom Nabu-Besucherzentrum. Auch in Linum (Ostprignitz-Ruppin) ist man zufrieden mit dem Storchenjahr. „Sechs Paare zogen 18 Junge groß. Das sind fast doppelt so viele Storcheneltern wie im Vorjahr“ , sagte der Leiter des Naturschutzzentrums „Storchenschmiede“ , Hendrik Watzke.
Keine guten Nachrichten gab es dagegen aus dem bundesweit bekannten Horst der Vetschauer Internetstörche im Kreis Oberspreewald-Lausitz: Alle drei Küken, darunter ein „Adoptivkind“ , starben an Lungenentzündung. Nach Auskunft von Projektleiter Winfried Böhmer wurde die Krankheit durch eine Infektion mit Schimmelpilzen ausgelöst.
Daran waren auch im Juni 2005 alle drei Küken in dem Horst gestorben. „Nun hoffen wir auf das nächste Jahr.“ Nach und nach werden in den kommenden Wochen die Störche Brandenburg gen Süden verlassen - um dann 2007 wieder ihre geliebte Mark anzufliegen.