Das war dann doch eine Überraschung. Künftig sind in Sachsen zwei Minister für Soziales zuständig. Einer von der CDU, der sich um Soziales und Verbraucherschutz kümmert. Zum Zweiten steuert die SPD eine Ministerin für Gleichstellung und Integration im Sozialministerium bei. Ausdrücklich eine Frau soll es sein. Damit steht das Kräfteverhältnis im neuen sächsischen Kabinett zwischen beiden Koalitionspartnern bei acht zu 2,5. Die spannendste Frage der Koalitionsverhandlungen war, wie viele Ressorts die Sozialdemokraten ergattern. Drei wollten sie haben, zwei wollte die CDU abgeben. Mit der neu kreierten Gleichstellungsministerin hat man sich in der Mitte getroffen.

Da waren auch alle zufrieden bei der Unterzeichnung des Koalitionsvertrags am Montagvormittag. Ministerpräsident und CDU-Chef Stanislaw Tillich lobte die "gute und stets faire Zusammenarbeit" bei den Verhandlungen. Tillich unterschrieb für die Unions-Seite gemeinsam mit Fraktionschef Frank Kupfer. "Der Praxistest kommt jetzt", kündigte der SPD-Vorsitzende Martin Dulig an. Der unterschrieb allein für die SPD, denn er ist - noch - Chef der Landtagsfraktion.

Die neue Regierung besteht neben dem Ministerpräsidenten und dem Chef der Staatskanzlei, die beide der Wahlsieger CDU stellen wird, aus acht Fachressorts. Sechs davon behält die Union, nämlich Finanzen, Inneres, Kultus, Justiz, Soziales und Verbraucherschutz sowie Umwelt und Landwirtschaft.

Die SPD stellt den Minister für Wirtschaft und Arbeit sowie den für Wissenschaft und Kunst, und schließlich besagte Gleichstellungsministerin. Wie die neuen Minister heißen werden, darüber schwiegen die Koalitionsspitzen gestern noch eisern. Offizielle Bekanntgabe des Kabinetts ist planmäßig am Donnerstag - einen Tag nach der Wahl des Regierungschefs. Dennoch kann neben Stanislaw Tillich auch Martin Dulig als gesetzt gelten. Der 40-jährige SPD-Spitzenmann wird mit hoher Wahrscheinlichkeit das Ressort Wirtschaft und Arbeit übernehmen. Das, obwohl die Unions-Seite die Wirtschaft gern wieder heimgeholt hätte. Doch dass der kleinere Koalitionspartner das diese Schlüsselposition übernimmt, ist inzwischen schon sächsischer Regierungs-Usus. Der letzte Wirtschaftsminister war der FDP-Mann Sven Morlok, er folgte 2009 auf den Sozialdemokraten Thomas Jurk.

Wenig ändern wird sich voraussichtlich im Kultus und vorerst im Inneren. Brunhild Kurth und Markus Ulbig (beide CDU) werden wohl auch dem nächsten Kabinett angehören. Zu erwarten ist indes, dass Ulbig 2015 an die Spitze des Dresdner Rathauses abspringt.

Die Opposition macht sich schon mal warm. Der Chef der Linken-Landtagsfraktion, Rico Gebhardt, kündigte reichlich "Druck von links" an, gerade beim Thema des längeren gemeinsamen Lernens und beim Strukturwandel in der Lausitz in der Ära nach Vattenfall. "Darauf werden wir als stärkste Oppositionsfraktion drängen", so Gebhardt.

Grünen-Fraktionschef Volkmar Zschocke sieht im schwarz-roten Koalitionsvertrag "viele gute Ansätze" bei der Gleichstellung, fordert aber mehr Integration. "Insbesondere bei der schulischen Inklusion und der Aufnahme von Asylbewerbern liegen eine Fülle von Aufgaben vor der neuen Ministerin", so der Grüne.