Freundinnen werden "die" Bild-Zeitung und "die" Schröder nicht mehr. Und "das" liebe Gott hat damit gar nichts zu tun. Wohl eher die Tatsache, dass Kristina Schröder sich beharrlich weigert, mehr Einblick in das Kinderbettchen von Tochter Lotte, 18 Monate, zu gewähren als ein einziges offizielles Foto, das es kurz nach der Geburt gab.

Keine home-story, ein sehr untypisches Promi-Verhalten. "Nix ist öder als die Politik von Frau Schröder" titelte die größte deutsche Zeitung daraufhin schon im April, lockte die CDU-Familienministerin jedoch nicht aus der Reserve.

Jetzt aber erlag Schröder der Versuchung, doch etwas von sich als Mutter preiszugeben. Allerdings in der Wochenzeitung "Die Zeit". Die Politikerin wollte offenbar dem unterschwelligen Vorwurf entgegentreten, von Familie keine Ahnung zu haben. Der hat sie seit ihrer Ernennung als damals noch ledige junge Frau im Jahr 2009 begleitet und hängt seitdem in ihren Hosenanzügen.

Doch der Versuch ging gründlich schief. Um nicht zu sagen: Er wurde missbraucht. Das Interview war rein theoretischer Natur, es ging darum, wie sich Mutter Schröder in bestimmten Konfliktsituationen verhalten würde.

Würde sie ein Tattoo erlauben? Nein. Ohrlöcher? Frühestens mit zwölf Jahren. Grimms Märchen vorlesen? Ja, aber nur dosiert. Pippi Langstrumpfs Vater "Negerkönig" nennen? Nein, sondern Südseekönig. Politisch hyper-korrekte Antworten.

Dann kam die Frage, wie sie denn einem kleinen Mädchen erklären würde, dass alle nur zu "dem" lieben Gott beten, nicht aber zu "der", also einer Frau. Schröders Antwort: "Der Artikel hat nichts zu bedeuten. Man könnte auch sagen: das liebe Gott".

Im Nachhinein weist ihr Ministerium jetzt immer wieder darauf hin, das sei doch die Antwort an das kleine Mädchen gewesen. Mitnichten würde die Ministerin sonst von "das liebe Gott" sprechen. Trotzdem brach am Freitag ein "Christstorm" aus, wie "Bild" den Vorgang in Abwandlung des neudeutschen "shit-storms" nannte.

Allerdings wurde dieser Sturm ausschließlich von besagter Zeitung erzeugt, und zwar durch gezielte Befragung von einschlägig interessierten Konkurrenten. Allen voran bei CSU-Politikern, die mit der CDU-Frau wegen des Betreuungsgeldes noch eine Weihnachtsgans zu rupfen haben. CSU-Innenexperte Stephan Mayer etwa befand, dass Schröder immer wieder sinnlose Debatten anzettle und sich lieber an die Arbeit machen solle. Und Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer sprach von "verkopftem Quatsch".

Bei ihr, wie auch bei der CDU-Staatssekretärin Katherina Reiche ("Der liebe Gott bleibt der liebe Gott") mag auch mitspielen, was jüngst eine Untersuchung feststellte: Dass nichts Frauen mehr polarisiert als der Erfolg anderer Frauen.

Theologisch allerdings ist Schröder auf der richtigen Seite, wie der Berliner Statthalter der Katholischen Bischofskonferenz, Prälat Jüsten, der RUNDSCHAU sagte: "Die Frage der Geschlechtlichkeit stellt sich bei Gott nicht. Es ist nur Gott. Bei Gott geht es nicht um gender mainstreaming."

Das Familienministerium bemühte am Freitag eine noch höhere Autorität als Jüsten, nämlich Papst Benedikt. "Natürlich ist Gott weder Mann noch Frau", hatte der einst geschrieben. Da sollten die Kritiker doch "nicht päpstlicher sein als der Papst", fand Schröders Sprecher. Egal, jetzt kommt sowieso erst mal "das" Christkind. Oder bei Töchterchen Lotte doch "der" Weihnachtsmann? Das muss die Ministerin bis Montag mit ihrem Mann Ole noch klären.