Statt Osterglocken schmückt der Baum die gute Stube. An seine Äste hängt das Ehepaar nun Ostereier - und jährlich steht er länger. Im Hause Poppe ist es Tradition, auch nach Weihnachten den Tannenbaum abends leuchten zu lassen. "Bis zum Lichtmess-Tag am 2. Februar. An dem Tag soll ja laut Volksmund die Sonne die Dunkelheit vertreiben und den größten Sprung machen", weiß Heide-Maria Poppe. Gleichzeitig verrät sie, dass ihr Mann an dem Tag Geburtstag hat und sie ihre Geschenke, so wie am Weihnachtsabend auch, praktischerweise unter den Tannenbaum legt. Hans-Jürgen Poppe freut sich über die zweite Bescherung, zersägt am nächsten Tag das gute Stück und verbrennt es im heimischen Ofen. Schon im vergangenen Jahr aber wurde die Gnadenfrist des mit Wasser gedopten Baumes verlängert. "Die Colorado-Tanne sah auch nach Wochen noch so sattgrün aus, dass wir sie einfach mal bis Ostern stehen ließen", erinnert sich die Hausherrin. Sie nahm die Weihnachtskugeln ab und hängte bemalte Ostereier an. In die Tannenbaumspitze kam eine im Schaukelstuhl sitzende Häsin, die strickt. Den Leipzigern gefiel der Osterschmuck. Deshalb beschlossen sie, von nun an den Baum stets bis in den Frühling hinein im Wohnzimmer zu lassen. Auch Haus-Hündin Katla gewöhnte sich an den Zimmerbaum und schlummert öfter mal unter ihm. Während die Poppes zu DDR-Zeiten immer eine preiswerte Kiefer bevorzugten, entscheiden sie sich seit ein paar Jahren für eine edle 27-Euro-Colorado-Tanne. "Ihre Nadeln sind bis zu sieben Zentimeter lang und halten ähnlich gut durch, wie die der Kiefer", sagte Heide-Maria Poppe und überlegt: "Vielleicht haben wir den Tannenbaum diesmal sogar bis Pfingsten."