Monatelang haben Kriegsgegner bundesweit für die Demonstration vor der Afghanistan-Konferenz am heutigen Montag mobilisiert – mit bescheidenem Erfolg. Nur 2000 Menschen versammeln sich am Samstag in Bonns City, Veranstalter und Polizei hatten mit der dreifachen Teilnehmerzahl gerechnet. Auf Transparenten fordern sie „Bundeswehr raus aus Afghanistan“ oder „Zerschlagt die kriegstreibende Terrororganisation Nato“.

Gottfried Müller ist aus Kiel angereist, er engagiert sich seit Jahren gegen den Einsatz am Hindukusch. Ob er an den angekündigten Abzug der Nato-Kampftruppen Ende 2014 glaube? „Nein, nie“, sagt er. „Das ist eine Lügengeschichte der Bundesregierung.“

Müller ist nicht der einzige Deutsche, der der Bundesregierung in Sachen Afghanistan kaum noch über den Weg traut. In einer Umfrage gingen vor rund zwei Monaten nur zwölf Prozent der Teilnehmer davon aus, dass ihnen ein „ungeschminktes Bild“ der Lage vermittelt werde. 78 Prozent fühlten sich nicht korrekt informiert. Mehr als zwei Drittel meinten, die Bundeswehr hätte aus heutiger Sicht nie in Afghanistan einrücken dürfen. 70 Prozent der Deutschen glauben nicht mehr an einen Erfolg der Mission am Hindukusch.

In den kriegsmüden Truppenstellernationen lehnen immer mehr Menschen das Afghanistan-Engagement ab. Das geplante Ende des Nato-Kampfeinsatzes 2014 wird dort immer wieder mit einem Abzug gleichgesetzt – doch das ist so kaum richtig. Zwar sollen die afghanischen Sicherheitskräfte dann die Verantwortung im ganzen Land übernehmen, wobei die Frage noch völlig offen ist, wer die 352 000 Soldaten und Polizisten eigentlich bezahlen soll. Doch dürften 2014 weder der Krieg noch der internationale Militäreinsatz in Afghanistan beendet sein.

Mit vorsichtigen Politiker-Äußerungen wird die Öffentlichkeit langsam auf diese unangenehme Perspektive vorbereitet. Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) machte vor rund einer Woche erstmals deutlich, was auf die Bundeswehr nach 2014 zukommen könnte. Deutsche Soldaten könnten als Ausbilder Unterstützungsarbeit leisten, sagte er in einem Interview. „Das wären dann keine kämpfenden Truppen mehr, aber vielleicht Angehörige von Kampftruppen, die Kampftruppen in Afghanistan ausbilden. Und sie wären ausreichend bewaffnet, um sich schützen zu können.“

Das hört sich so an, als müsse damit gerechnet werden, dass deutsche Soldaten weiter in Gefechte verwickelt werden – und dass auch nach 2014 noch deutsche Soldaten in Afghanistan sterben könnten.

Nach Nato-Einschätzung werden ausländische Soldaten nach der Übergabe der Verantwortung an die Afghanen noch über Jahre hinweg im Land bleiben. Der damalige Sprecher der Nato-geführten Schutztruppe Isaf, Bundeswehr-General Josef Blotz, hatte im Sommer gesagt: „Auch nach 2014 wird es ein – wenn auch sehr viel kleineres – militärisches Beratungs- und Ausbildungselement vor allem der Nato hier in Afghanistan geben müssen.“

Möglicherweise wird der Einsatz am Hindukusch im Westen dann allerdings kaum noch Gesprächsthema sein – viele Menschen sind des Themas nach zehn Jahren Krieg mit Tausenden Toten inzwischen müde. Seit Jahren nehme das Interesse ab, sagt der Friedensaktivist Müller bei der Demonstration in Bonn. Ihn wundere es daher auch nicht, dass so wenige Menschen zu den groß angekündigten Protesten gekommen seien.