Denn die E-Mail-Absender kommen sofort zu einer völlig anderen Sache: Zur drastischen Werbung für Potenzmittel oder kostenpflichtige Porno-Seiten im Internet.

Eine der Spuren einer besonders dreisten E-Mail mit Fantasie-Absender, die im vergangenen Herbst die elektronischen Briefkästen zumüllte, führt auch nach Cottbus. Damals köderte eine "Rechtsabteilung" Tausende mit der Betreff-Zeile "Fristlose Kündigung", sich die Botschaft anzusehen. In der Mail warb dann eine "Porno Hacker Crew" für ein Gratis-Porno-Angebot im Internet. Dazu sollte man über einen Link in der E-Mail auf einer kanadischen Internet-Seite nur eine Datei herunterladen. Sie schalte den teuren Gebührenzähler eines Sex-Anbieters aus, hieß es. In Wirklichkeit war diese Datei aber selbst ein Dialer, der eine 0190er-Nummer für 1,86 Euro pro Minute anwählte und die Seite "schnell-sex.de" aufrief. Diese Adresse ist auf den Cottbuser Michael M. registriert.

An den Versender der Werbung, der diese Mails über das Netz einer argentischen Firma abgesetzt hat, ist nur schwer heranzukommen. Er untersteht nicht der deutschen Rechtssprechung. Den deutschen Behörden sind aber auch sonst meist die Hände gebunden.

"Werbe-E-Mails an sich sind bei uns strafrechtlich nicht verfolgbar", erklärt der Cottbuser Staatsanwalt Eike Lünnemann. Strafrechtliche Schritte gegen die Absender der eletronischen Post kämen nur bei Verstößen gegen das Gesetz gegen den Unlauteren Wettbewerb in Betracht. Oder bei Computersabotage, wenn durch die E-Mail-Flut das Computersystem eines Empfängers lahmgelegt werde. "Derartige Fälle hatten wir bei uns noch nicht", sagt Eike Lünnemann, der für die Zukunft aber erwartet, "dass da bei den Massen-E-Mails etwas mit Dialern passieren könnte".

Millarden-Schäden

Doch auch so verursacht die Flut der unerwünschten Werbe-Mails (Spams) schon jetzt immense Schäden. Eine Studie der EU beziffert ihn weltweit auf jährlich zehn Milliarden Euro.

Denn die Massensendungen erhöhen bei den E-Mail-Dienstleistern den Bedarf an Leitungskapazität und Serverleistungen. Sie müssen Filter installieren, E-Mail-Adressen sperren und eingehende Post speichern. Unternehmen klagen immer lauter über den Arbeitsaufwand zum Aussortieren der Werbebotschaften. Das gesamte Internet werde durch die Mail-Flut mit häufig betrügerischem Hintergrund in die Schmuddelecke gedrängt, sagt Harald Summa, Geschäftsführer des Verbands der deutschen Internet-Wirtschaft eco. Die Existenzgrundlage der seriösen Anbieter im Netz sei dadurch gefährdet.

In den USA gehen einzelne Bundesstaaten inzwischen rigide gegen E-Mail-Spammer vor. In Virginia droht Versendern unerwünschter Werbe-Mails eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren. Der Bundesstaat Washington will ihnen vorschreiben, eine entsprechende Kennzeichnung in die Betreffzeile mit aufzunehmen – bei Zuwiderhandlung sollen empfindliche Geldstrafen fällig werden.

In Deutschland blasen jetzt die Internet-Anbieter und Verbände auf eigene Faust zum Gegenangriff auf die schwarzen Schafe. Das Internet-Portal Yahoo hat den heutigen Tag kurzerhand europaweit zum Anti-Spam-Tag erklärt. Der eco-Verband suchte gestern erstmals auf einem Anti-Spam-Kongress im Hessischen nach gemeinsamen technischen Lösungen für das Problem.

Die Internet-Anbieter AOL, Microsoft und Yahoo kündigten an, künftig gemeinsam Werkzeuge zur Bekämpfung der lästigen E-Mail-Schwemme entwickeln zu wollen. Allein das Internet-Portal MSN von Microsoft blockiert nach eigenen Angaben schon jetzt täglich 2,4 Milliarden mutmaßliche Spam-Mails. Und der Portalbetreiber Web.de schätzt, dass es sich bei einem Drittel der rund 15 Millionen täglichen Mails um Spam handelt. Tendenz steigend.

Jeder Vierte fühlt sich sicher

Dabei verunsichern die Massen-E-Mails die Internet-Nutzer immer stärker. Nur jeder Vierte fühlt sich im weltweiten Datennetz noch sicher, so eine Emnid-Umfrage. Die Gefahr, sich im Internet unfreiwillig einen Dialer einzufangen, der unbemerkt eine teure 0190er-Nummer anwählt, verstärkt die Ängste. Einen absoluten Schutz davor gibt es nicht.

Diese Erfahrung musste auch Detlef A. aus Münchhausen bei Finsterwalde machen. Vor gut einem Jahr flatterte seiner Firma eine Rechnung über rund 6500 Euro ins Haus. "Die Kripo hat sich daraufhin unsere PC angeschaut", erzählt er. "Da ist unbemerkt ein Dialer installiert worden".

Detlef A. wollte daraufhin auf Nummer sicher gehen und ließ von der Telekom die Einwahlnummer 0190 für seine Anschlüsse sperren. Jetzt erhielt er trotzdem eine Rechnung über 0190er-Verbindungen. "Obwohl ich, wenn ich diese Nummer wähle, gar keine Verbindung kriege. Ich habe das probiert".

Hat also ein Hacker die Telekom-Sperre ausgetrickst? Telekom-Sprecher Walter Genz schließt das aus. "Dazu müsste ein Hacker in unsere Vermittlungsstelle rein", sagt er. "Das geht nicht".

Genz vermutet, dass die 0190er-Verbindungen durch die Anwahl einer eigentlich kostenlosen 0800er-Nummer zustande gekommen sein könnten. "Es gibt dubiose Firmen", erklärt er, "die wandeln 0800er-Verbingungen heimlich in teure 0190-Verbindungen um. Das müsste zunächst einmal überprüft werden".

Das Vertrauen der Verbraucher stärkt das alles wohl nicht.

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Hintergrund: Mehrheit fällt auf Spam-Mails rein

44 Prozent der Deutschen haben bei einer Umfage des Internet-Anbieters Yahoo angegeben, Spam als "starke Belästigung" zu empfinden. Eine Mehrheit gab zu, auf Spam-Mails hereinzufallen, etwa auf den irreführenden Hinweis, sich durch das Anklicken eines Links aus der Verteilerliste streichen lassen zu können.

Eine lange Mail-Adresse bietet einen gewissen Schutz vor Spams. Die private Hauptadresse sollte nicht für die Teilnahme an Gewinnspielen, beim Shoppen, für den Bezug von kostenlosen Diensten, Einträge in Gästebücher oder Mailinglisten verwendet werden.

Kommentar zum Thema:

http://www.lr-online.de/nachrichten/laurundschau/kommentare/1066,212407.html

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