März 2011 musste Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der große CSU-Hoffnungsträger, von seinem Amt zurücktreten. Zu groß war schließlich der öffentliche Druck geworden.

Rückblick: Die Plagiats-Affäre um die Doktorarbeit Guttenbergs kommt am 16. Februar ins Rollen. An dem Tag veröffentlicht die „Süddeutsche Zeitung“ einen Bericht, in dem der Bremer Juraprofessor Andreas Fischer-Lescano Teile von Guttenbergs Doktorarbeit als „dreistes Plagiat“ bezeichnet. „Plagiatsjäger“ sammeln daraufhin im Internet immer neue Beweise, finden immer mehr abgekupferte Stellen. Guttenberg aber lässt sich erst einmal nicht aus der Ruhe bringen. Erst nennt er die Vorwürfe „abstrus“, dann kündigt er an, auf seinen Doktortitel zu verzichten – aber nur bis zur Klärung der Vorwürfe.

Bei einem Auftritt im Bundestag räumt er zwar ein, er habe eine „offensichtlich sehr fehlerhafte Doktorarbeit geschrieben“. Sein Ministeramt will er zu diesem Zeitpunkt aber noch behalten.

Erst eine Woche später bleibt ihm kein anderer Ausweg mehr als zurückzutreten. Die CSU, die bei ihren Zukunftsplanungen bis dahin fest auf Guttenberg gebaut hatte, verfällt in eine Art Schockstarre. Und Guttenberg? Der zieht sich erst einmal von der Bildfläche zurück – während die Universität Bayreuth zu dem Schluss kommt, dass ihr prominenter Jura-Absolvent absichtlich abgeschrieben hat. Im Sommer zieht der CSU-Mann mit seiner Ehefrau Stephanie und den Kindern in die USA – und wird Experte in einer „Denkfabrik“ in Washington.

Nur wenige Wochen später aber reiben sich selbst engste Parteifreunde verwundert die Augen: Guttenberg meldet sich zurück - und wie: Erst ein Auftritt auf einer Sicherheitskonferenz in Kanada, dann ein Interview-Buch mit dem Chefredakteur der „Zeit“. Das erscheint ausgerechnet wenige Tage, nachdem bekannt wird, dass die Staatsanwaltschaft Hof ein Ermittlungsverfahren gegen Guttenberg eingestellt hat – allerdings nur gegen Zahlung einer Geldauflage. Und das Buch – vorab in Auszügen in der „Zeit“ veröffentlicht - hat es in sich: In einer Art Rundumschlag greift Guttenberg nicht nur seine einstige Uni an, sondern auch seine Partei, die CSU. Die sei keine Volkspartei mehr und habe „Spinnweben“ angesetzt, ätzt er.

Die Christsozialen reagieren überrascht, verärgert, wütend. „Völlig daneben“ sei Guttenbergs Kritik, schimpft Parteichef Horst Seehofer. Niemand in der CSU kann sich einen Reim darauf machen, was Guttenberg mit seinem Buch konkret bezwecken wollte. Zusätzliches Kopfschütteln erntet ein neuer Job des Freiherrn bei der EU-Kommission: als Internet-Berater bei Kommissarin Neelie Kroes.

Eines aber scheint klar: Sollte Guttenberg mit seinen Auftritten und dem Buch ein Comeback versucht haben, so dürfte dieses Comeback das sein, was der Titel des Buches verheißt: „Vorerst gescheitert“.