Die Spanier entscheiden bei den Kommunal- und Regionalwahlen morgen darüber, welchen Preis Ministerpräsident José María Aznar für seine Haltung im Irak-Konflikt zahlen muss. Der konservative Regierungschef hatte die Intervention von Amerikanern und Briten im Irak eisern unterstützt, obwohl fast 90 Prozent der Spanier gegen den Krieg waren.
Eine Zeit lang sah es so aus, als drohte Aznars konservativer Volkspartei (PP) nun bei den Wahlen ein Desaster. Aber nach den jüngsten Umfragen scheinen es die Wähler bei einem Denkzettel bewenden zu lassen. "Es ist eine alte Erfahrung, dass die Außenpolitik bei der Stimmabgabe weniger eine Rolle spielt, als es den Anschein hat", betont der Historiker Javier Tusell.
Die PP muss den Verlust des einen oder anderen Bürgermeister-Postens befürchten, aber keinen Sturz ins Bodenlose. Dabei ist das Erscheinungsbild des Regierungschefs nicht erst seit dem Irak-Krieg angekratzt. Auch die Katastrophe an Spaniens Nordküste nach dem Untergang der "Prestige" zehrt an Aznars Ruf des Siegertyps. Die Regierung musste sich für eine Reihe von Fehlern entschuldigen, die ihr beim Kampf gegen die Ölpest unterlaufen waren.
Die Spanier wählen landesweit in 8100 Städten und Kommunen neue Bürgermeister und Gemeinderäte. Zudem entscheiden sie in 13 der 17 Regionen des Landes über die Zusammensetzung der Parlamente, die etwa den Landtagen in Deutschland entsprechen. Aznar steht - abgesehen von einer symbolischen Kandidatur in Bilbao - nicht zur Wahl. "Aber er ist im Wahlkampf so unermüdlich im Einsatz, als plagten ihn Schuldgefühle", schreibt die Zeitung "El País". Für Aznar ist dies der letzte große Wahlkampf, denn bei der Parlamentswahl Anfang 2004 will er nicht mehr kandidieren.
Besonders heftig umkämpft sind die Stadt- und die Regionalregierung von Madrid, wo seit Jahren die Konservativen das Sagen haben. Die Sozialisten (PSOE) hoffen darauf, die Macht in der Hauptstadt zurückzuerobern. Sie sind ebenso wie die PP davon überzeugt, dass der Sieger von Madrid im kommenden Jahr auch die Parlamentswahlen gewinnen wird. Nach Umfragen liegen die PP auf der einen und die Linksparteien auf der anderen Seite praktisch gleichauf.
Im Baskenland markiert die Wahl den Beginn einer neuen Ära. Zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren darf sich keine Partei beteiligen, die der Ter-ror-Organisation Eta nahesteht. Die Separatistenpartei Batasuna wurde verboten, unabhängige Wahllisten von Batasuna-Anhängern wurden nicht zugelassen. "Die Zeit, in der man mit einer Hand wählte und mit der anderen zur Waffe griff, sind vorbei", sagte Aznar.
Morgen wird sich nun zeigen, ob die radikalen Separatisten, die im Baskenland über ein Stimmpotenzial von mehr als zehn Prozent verfügen, nun für die gemäßigten Parteien stimmen oder ungültige Wahlzettel abgeben werden.