Allerdings lagern dort keine Weinfässer oder Bierflaschen, sondern etwas, das den Menschen in früheren Zeiten Angst machte und sie heute zumindest zum Gruseln bringt: mittelalterliche Foltergeräte.
"Meine Vermieterin hat mich auf den Keller aufmerksam gemacht, und ich überlegte, dass man hier doch etwas Außergewöhnliches hineinbringen müsste", erklärt Jochen Kaminsky. Der 48-Jährige, der in Zittau seit vier Jahren ein Tourismusbüro betreibt und Stadtführungen anbietet, brauchte nicht allzu lange zu überlegen, bis ihm die Idee kam: "Oftmals bin ich als Nachtwächter oder als Hauptmann der Stadtwache unterwegs", berichtet er. "Und früher mussten sich die Vertreter dieser Berufsgruppen auch um die Gefangen kümmern." Wobei dieses "Kümmern" kaum etwas mit der Tätigkeit heutiger Justizbeamter zu tun hatte. Wer nämlich in früheren Jahrhunderten der Obrigkeit in die Quere kam, hatte anschließend nicht mehr viel zu lachen. Folter, weiß Jochen Kaminsky, war ein allt&aum l;gliches Mittel, um Schweigende zum Reden zu bringen. Diese Zeiten sind glücklicherweise vorbei. "Und dennoch gehört auch dieses Kapitel zu unserer Geschichte", meint Jochen Kaminsky. Außerdem lässt sich mit altertümlichen Folterinstrumenten in einem hohen Kellergewölbe vortrefflich mittelalterliches Flair herbeizaubern.
Wenn Kaminsky seine Touristengruppen zum Keller führt, werfen Fackeln ein schauerliches, heftig flackerndes Licht auf die Szenerie. Spinnweben überziehen den nackten Fels wie ein zarter Schleier. Schaubilder verdeutlichen, was der Scharfrichter früher mit den einzelnen Instrumenten "anstellte". Beispielsweise mit dem Rad, das solange auf den Delinquenten herabgeworfen wurde, bis jeder Knochen im Leibe zermalmt war. Oder mit der Zange, die, auf Weißglut gebracht, mühelos einen Finger "abzwicken" konnte.
Jochen Kaminsky hat auf seinen Führungen natürlich auch weniger martialische Stationen im Angebot. So führt er beispielsweise beim "Zittauer Gurglurgeln" durch die vielfältige Kneipenlandschaft der Innenstadt. Und wer von Kellern noch nicht genug hat, kann ihn in das tiefe Gewölbe des Hauses Johannisstraße 4/6 begleiten. "Hier gibt es keine Foltergeräte, sondern Bierfässer", versichert Jochen Kaminsky. Schließlich handelt es sich um den ältesten Braukeller der Stadt.