„Die können nicht springen, es sind mehr als 18 Knoten, der Wind ist zu stark“ , vermuten die Soldaten am Boden, die auf ihren Einsatz warten. Dann setzt der BEL UH-1D, wie der (für Laien gar nicht so leicht wirkende) Leichthubschrauber der Bundeswehr richtig heißt, unmittelbar vor dem Besucherbergwerk zur Landung an. Doch er bleibt etwa 30 Meter vor dem Erdboden in der Luft stehen. „Abseilen!“ ist befohlen. Die Fallschirmjäger vom Bataillon 373 verabschieden sich mit einer letzten Übung - bevor sie ihren Standort in Doberlug-Kirchhain in den nächsten Wochen für immer verlassen.
So schwebt Hauptfeldwebel Jens Maaß langsam am Seil zu Boden. Am Rücken mit Gurten festgeschnallt und sicher im Huckepack hat er „Bodo von der Bundeswehr“ . So heißt der geadelte Schäferhund, der aus einem bundeswehreigenen Zuchtzwinger stammt. Der erst zwei Jahre junge Diensthund wird in seiner Ausbildung für den Auslandseinsatz vorbereitet. „Da gehört das gekonnte Abseilen mit dazu, denn mit dem Fallschirm abspringen ist in Krisengebieten meist lebensgefährlich“ , weiß Jens Maaß - allerdings noch nicht aus eigener Erfahrung, die will er mit seinem Bodo erst noch machen.

Spielerisches Hundetraining
Andere Vier- und Zweibeiner aus der 18-köpfigen Doberlug-Kirchhainer Hundestaffel beim Fallschirmjägerbataillon kennen bereits den gefährlichen Boden von Afghanistan und vom Kosovo, erzählen aber nicht viel davon. „Die Tiere werden wie die Menschen gut auf ihren Einsatz vorbereitet“ , berichtet ein junger 26-jähriger Soldat, der seinen Namen nicht nennen möchte - „zum Selbstschutz“ , wie er sagt, weil er aus der näheren Region kommt und viele ihn kennen.
Mit Tarek, seinem Malinois, einem drahtigen belgischen Schäferhund, hat er in Afghanistan bereits erfolgreich nach Waffen, Munition und Sprengstoff gesucht. Der Soldat erzählt, wie sein wissbegieriger Hund das schnell lernt: „Die Tiere bekommen ständig einen Gummiball vor die Nase, der vorher in Kontakt mit Metall war. Dadurch nehmen sie den Duft auf und lernen bis zu 27 verschiedene Gerüche zu unterscheiden.“ Acht Jahre können Hunde Dienst bei der Bundeswehr leisten, nur wenn der Tierarzt sein OK gibt, kann die Dienstzeit um immer ein Jahr verlängert werden. „Nach der Ausmusterung bleibt der Hund meist weiter beim Hundeführer und wird sein privater Begleiter - die beiden sind mit den Jahren dann unzertrennliche Freunde geworden.“
Während der Soldat noch erzählt, kommt der Hubschrauber wieder zurück und landet vor der Förderbrücke: Die Übung geht weiter. Andere Soldaten steigen mit ihren Hunden ein und fliegen bis zum Senftenberger See, wo sie sich wieder am Seil herunterlassen - mit Hunden am Fallschirm abspringen ist in Deutschland verboten, ist noch zu erfahren.

Freude und Frust wegen Umzug
Für Jens Maaß ist es der letzte Lufteinsatz am Standort Doberlug-Kirchhain. In der Lausitz-Kaserne wird längst gepackt: Das Fallschirmjägerbataillon 373 wird nach Seedorf zwischen Bremen und Hamburg verlegt. „Der Schacht“ , wie das Militärgelände am Stadtrand von der Bevölkerung genannt wird, wird dicht gemacht - zum Leidwesen vieler, denn die Stadt verliert einen großen Arbeitgeber. „Der erste Teil der Truppe wird noch in diesem Jahr verlegt, der zweite Schub folgt im Januar“ , weiß der junge Hauptfeldwebel.
Jens Maaß, der schon seit 1997 in Doberlug-Kirchhain ist, trauert seinem alten Standort aber nicht nach. Seine Fühler zur Region hat er in diesen Jahren privat kaum ausgestreckt - „mal abgesehen vom Finsterwalder Hundesportverein, wo ich mit meinem Hund oft war. Ansonsten bin ich fast jedes Wochenende nach Hause gefahren“ . Er freut sich sogar über den Umzug nach Seedorf - dann ist der gebürtige Mecklenburger seiner Heimat ein Stück näher.
Doch erst einmal heißt es, den letzten Appell am Nachmittag in der Kaserne zu absolvieren. Deshalb müssen sich die Soldaten an der Förderbrücke beeilen - denn dem starken Wind zum Trotz soll auch ihre letzte Übung vor der F 60 vorbildlich absolviert werden.