"Wir brauchen bei der Bedeutung dieses Themas ein eigenständiges Energieministerium auf Bundesebene", forderte Jurk bei der Energie-Debatte am Donnerstag im sächsischen Landtag. Und dazu einen Energieausschuss im Bundestag, fügte er hinzu. Dorthin wird es der Lausitzer als Spitzenkandidat der sächsischen Sozialdemokraten höchstwahrscheinlich am Sonntag schaffen. Damit enden für ihn 23 Jahre in der sächsischen Landespolitik, von denen er fünf Jahre lang Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr war.

Der gelernte Funkmechaniker aus Weißkeißel wurde 1962 in Görlitz geboren. Ende der 1980er-Jahre arbeitete er im Transformatorenbau der PGH Elektro? Rundfunk? Fernsehen Weißwasser. 1989 kam er zu den Sozialdemokraten, für die er 1990 ein Landtagsmandat errang. Dort kümmerte er sich in den 90er-Jahren um Landwirtschafts- und Finanzpolitik. 1999 wurde er Vorsitzender der Fraktion, fünf Jahre später Landesverbandschef.

Als solcher stieg Jurk bei der Landtagswahl 2004 gegen den CDU-Ministerpräsidenten Georg Milbradt in den Ring. Die Wahl endete mit 9,8 Prozent für die SPD, das schlechteste Ergebnis auf Landesebene seit Gründung der Bundesrepublik.

Das Desaster trug den sächsischen Genossen viel Hohn und Spott ein, auch von der Parteispitze in Berlin. Gleichzeitig aber verlor die regierende CDU 15 Prozentpunkte und damit erstmals seit 1990 die absolute Mehrheit. Das ebnete den Weg in die schwarz-rote Koalition, in der Jurk das Wirtschaftsressort übernahm.

Der SPD-Landeschef Martin Dulig nennt Jurk den "lebenden Beweis, dass man es als Sozialdemokrat in Sachsen bis zum stellvertretenden Ministerpräsidenten bringen kann".

Für die Partei, die bei der Landtagswahl 2009 gerade 10,4 Prozent der Stimmen erreichte, ist ebendas der bislang größte Erfolg auf Landesebene. Die SPD ist in Sachsen drittstärkste Kraft nach CDU und Linken, stellt aber in zwei von drei Großstädten, Leipzig und Chemnitz, den Oberbürgermeister.

Nach dem fünfjährigen Ausflug in die Landesregierung ist die SPD seit 2009 wieder Opposition - und Jurk einfacher Abgeordneter. Auch den Parteivorsitz gab er nach der Wahl ab. Die Bilanz seiner Ministerjahre fällt passabel aus. Bei der Pleite des Speicherchip-Herstellers Qimonda 2008 arbeitete er intensiv an einer Lösung für den sächsischen Standort.

Erfolge bei der Mittelstandsförderung und der Integration von Langzeitarbeitslosen gehen auf sein Konto als Minister. Er hat aber auch als damaliges Mitglied im Verwaltungsrat der Landesbank Sachsen LB Aktien an deren Absturz. Nebenher sitzt er seit 1994 im Gemeinderat seines Heimatorts, der 1300-Einwohner-Gemeinde Weißkeißel im Kreis Görlitz.

Seine bundespolitischen Ambitionen sind seit einem Jahr deutlich sichtbar. Der Thomas Jurk, der in den Bundestag will, ist schlanker und drahtiger als der Wirtschaftsminister von vor acht Jahren. 40 Kilo hat Jurk abgespeckt. Am Sonnabend geht er nochmal wandern mit Genossen und Gleichgesinnten im "Reich der Lausche" bei Großschönau im Wahlkreis Görlitz. Der gehört seit 1990 der CDU.

Dass Jurk dort als Direktkandidat am Sonntag punktet, ist eher unwahrscheinlich. Aber schließlich wird die lange Wanderung wohl doch nach Berlin führen.