| 07:37 Uhr

Abschied von der CO2-Speicherung

Bohrstart 2007: Ein Arbeiter bringt in Ketzin einen Bohrer für eine Bohrung des CO2SINK-Projektes des GeoForschungsZentrums Potsdam in Stellung. CO2SINK ist das groesste Projekt zur Untergrundspeicherung von Kohlendioxid auf dem europäischen Kontinent.
Bohrstart 2007: Ein Arbeiter bringt in Ketzin einen Bohrer für eine Bohrung des CO2SINK-Projektes des GeoForschungsZentrums Potsdam in Stellung. CO2SINK ist das groesste Projekt zur Untergrundspeicherung von Kohlendioxid auf dem europäischen Kontinent. FOTO: Michael Urban (ddp)
Ketzin/Cottbus. Mit einer Fachtagung endet heute im brandenburgischen Ketzin ein Pilotprojekt, das mal als Hoffnungsträger für die Lausitzer Energiewirtschaft galt. Das Speichern von CO2 im Boden sollte die Kohle sauber machen. Woran ist es gescheitert? ta/bob/mit dpa

Die letzten Löcher werden am heutigen Mittwoch verschlossen. Damit endet der letzte Feldversuch am Pilotstandort des Deutschen GeoForschungsZentrums (GFZ) Potsdam zur geologischen Speicherung von Kohlendioxid (CO2) in Ketzin (Havelland). Es ist auch ein Stück Geschichte, das damit endet. Seit 2004 wurden am Pilotstandort Ketzin im Rahmen verschiedener nationaler und internationaler Projekte wissenschaftliche Untersuchungen zur geologischen CO2-Speicherung im tieferen Untergrund durchgeführt.

Der Leiter der Sektion Geologische Speicherung am GFZ, Axel Liebscher, hatte im Gespräch mit der RUNDSCHAU bereits im März den Schluss gezogen, "dass die geologische Speicherung von Kohlendioxid bei adäquater wissenschaftlicher und technischer Begleitung ein sicherer und gangbarer Weg ist".

Für das GFZ seien die gewonnenen Erkenntnisse zum Verhalten von Sole und Gas zentrale Größen zur Beurteilung des Langzeitverhaltens und der Langzeitsicherheit eines CO2-Speichers. "Mit dem jetzt abgeschlossenen Feldversuch können wir erstmalig die üblicherweise nur in Laborversuchen gewonnenen Daten zur residualen CO2-Sättigung unter realen Gesteinsbedingungen überprüfen", erläutert Liebscher die Bedeutung des Langzeitexperiments.

Der GFZ-Pilotstandort beherbergt das europaweit größte Forschungsprojekt zur geologischen Speicherung des Treibhausgases. Mehr als 67 000 Tonnen CO2 wurden dort seit 2008 in den Untergrund gebracht, um diese Möglichkeit der Treibhausgasreduktion zu erforschen. Ob die positiven Ergebnisse des Feldversuches die Debatte über die Verpressung des Klimakillers CO2 neu entfachen, bleibt abzuwarten. Denn im Jahre 2012 hat das CCS-Gesetz theoretisch zwar den Weg zur Verpressung von Kohlendioxid in Deutschland freigemacht, praktisch aber mit so hohen Hürden versehen, dass der Energiekonzern Vattenfall seine Bemühungen um ein CCS-Demo-Kraftwerk einstellte. Das Pilotprojekt zur Abscheidung von CO2 in Schwarze Pumpe wurde beendet, die gewonnenen Erkenntnisse später nach Kanada verkauft.

Die umstrittene Speicherung des Treibhausgases CO2 im Boden wird sich aus Sicht von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks in Deutschland "nicht groß" durchsetzen. "Das hat einen einfachen Grund: Für die Energiewirtschaft brauchen wir kein CCS", sagt die SPD-Politikerin. Die Carbon Capture and Storage (CSS) genannte Methode ist Bestandteil der Klimaschutz-Pläne vieler Länder, unter anderem der USA.

Andere halten nach wie vor an der Vision CCS - und damit klimafreundlicher Kohlekraftwerke - fest. Der Bundestagsabgeordnete Ulrich Fresse (SPD) erklärt etwa in der aktuellen Wahlbefragung der kandidaten zur Bundestagswahl, dass er sich dafür einsetzen wolle, dass "die Bergbau- und Energiewirtschaft in der Lausitz, als Brückentechnologie ins regenerative Zeitalter, einen verlässlichen Rahmen bekommt und technologieoffen, also auch über CCS-Technik, das Thema Treibhausgasneutralität diskutiert und entschieden wird".

"Auch in Deutschland ist CCS in meinen Augen nicht tot, allenfalls in einer Art Koma", sagt auch Projektleiter Liebscher vom GFZ. "Wir laufen momentan Gefahr, unsere nationalen Treibhausgasziele klar zu verfehlen." Spätestens in fünf bis zehn Jahren, schätzt der Wissenschaftler, könne die Speicherung von CO2 auch in Deutschland wieder interessant werden.