Es war 17.24 Uhr am Sonntagnachmittag. Unüblicherweise hatte der Energie-Präsident auf dem Podium der Pressekonferenz Platz genommen, wo er in den zurückliegenden Jahren höchst selten zu finden war, beziehungsweise immer dann, wenn Dinge zu verkünden waren, die Zäsuren in der Vereinspolitik darstellten. So, als im November 2004 die Beurlaubung von Trainer Eduard Geyer bekannt gegeben wurde oder auch im Januar 2005, als der langjährige Manager Klaus Stabach ebenfalls in den Urlaub geschickt wurde. Nun ließ er durch den Pressesprecher seinen eigenen Rücktritt verkünden. Mit ihm geht der Letzte aus dem Triumvirat Geyer/Stabach/Krein.
Diese Männer-Runde hatte einst den großen Fußball in die Lausitz geholt, hatte aus der Fußball-Provinz Cottbus mit Energie eine Marke geschaffen, die deutschlandweit bekannt wurde. Der Aufstieg in die 2. Liga 1997, das Erreichen des DFB-Pokalfinales im gleichen Jahr und schließlich der Aufstieg im Jahre 2000 in die 1. Liga sind untrennbar mit diesem Trio verbunden, das es verstanden hat, den Profifußball in Cottbus bis heute zu etablieren.

Szenario stimmte nicht
Das Ende seiner Präsidentschaft hatte Krein, der die Marke „FC Energie“ mit markigen und oft unüberlegten Sprüchen deutschlandweit geprägt hatte, sicher anders geplant. Er hatte gehofft, dass mit dem Klassenerhalt durch die Mannschaft ein würdiges Szenario für seine Demission gegeben ist. „Leider haben die Jungs nicht mitgespielt“ , kommentierte er die FCE-Niederlage kurz.
Dieter Krein, der in Leipzig geboren wurde, gehört seit 1990 zum Fußballverein. In den letzten 15 Jahren amtierte er als Vize- oder auch als Interimspräsident, bis er dann im Jahre 1996 das Präsidentenamt übernahm.
Der gelernte Maschinenbauingenieur arbeitete vor der politischen Wende im Kraftwerk Jänschwalde als Direktor für Materialwirtschaft und war danach Einkaufsleiter beim Energieversorger Veag.
Von Hause aus ist der Sachse Volleyballer und er begründete sein Fußball-Engagement mit den Worten: „Jeder Volleyballer ist ein engagierter Sportler.“ Er hat aber auch Wasserball und Fußball gespielt. Über verschiedene Funktionen in der damaligen Betriebssportgemeinschaft (BSG) Energie holte ihn 1990 Klaus Stabach in die Fußball-Abteilung. Von da an engagierte er sich nur noch für die Fußballer. Maßgeblich war er 1994 an der Verpflichtung von Eduard Geyer beteiligt, mit dem der sportliche Aufschwung begann.
Krein betont: „Auch Manfred Kupferschmied oder Fritz Bohla hatten hier Erfolg. Schließlich hat der Verein sieben Jahre in der DDR-Obe rliga gespielt, was allerdings nicht mit der Bundesliga vergleichbar war. Fakt ist aber auch, dass Eduard Geyer ohne Klaus Stabach nie so ein erfolgreicher Bundesligatrainer geworden wäre. Er konnte sich hier frei entfalten und zum anderen haben wir ihm immer den Rücken frei gehalten, sonst wäre er nicht zehn Jahre Trainer gewesen.“

Mit den Bayern angelegt
Krein war auch dafür bekannt, dass er kein „Fettnäpfchen“ ausließ. Nach dem Aufstieg der Cottbuser in die 1. Bundesliga legte er sich schon mal locker mit dem FC Bayern München an und bezeichnet Manager Uli Hoeneß oder Karl-Heinz Rummenigge als „Sabbelköpfe“ , was für viel Wirbel in der Medienlandschaft sorgte. „Das war schon ein gefundenes Fressen für die Presse, weil eine kleine Figur wie ich die großen Bayern ansägen wollte. Dabei bin ich seit über 30 Jahren Bayern-Fan. Inzwischen ist das Verhältnis Energie – FC Bayern längst ein gutes.“
Doch gerade mit solchen oft spontanen und unbedachten Äußerungen hat sich der umtriebige Krein nicht nur Freunde gemacht. Mit seiner direkten, manchmal verletzenden Art hat er auch manchen Weggefährten verprellt. 2001 standen er und Stabach im Mittelpunkt staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen wegen angeblich veruntreuter Gelder, was sich später aber als gegenstandslos erwies.
Er versuchte stets, den eingeschlagenen Weg konsequent zu gehen, auch gegen Widerstände. Nicht umsonst gibt es seit acht Jahren in Cottbus Profifußball. Ein Credo des jetzt zurückgetretenen Präsidenten war immer, den Profifußball auf längere Zeit in Cottbus zu etablieren.
In der Funktion des Ehrenpräsidenten, der durch den Vereins-Ehrenrat extra geschaffen wurde, hat er keinen großen Einfluss mehr auf die Geschicke des Fußballs in der Lausitz. „Ich mache den Weg frei für Jüngere, für eine Neuorientierung des Vereins“ , sagte Krein am Sonntag bei seinem Rücktritt nach außen hin relativ emotionslos. Später, im Kreise der Sponsoren, sprach Dieter Krein davon, dass es für ihn wie eine Erleichterung sei und er nicht mit 70 auf dem Fußballplatz tot umfallen wolle. Zu den Gründen seines Rücktritts sagte er nur so viel: „Ich weiß, dass die neue Orientierung auf wirtschaftlich sicheren Füßen steht. Deshalb will ich über den Rücktritt auch keine Diskussionen.“
Wer ihn näher kennt, weiß allerdings, dass ihm speziell die zu Ende gehende Saison arg zugesetzt hat und er sich dabei auch verschlissen hat. Eine Ära ist zu Ende. Jetzt beginnt die nach dem Triumvirat Krein/Stabach/Geyer.

Hintergrund Dieter Krein – Immer für einen Spruch gut
„Mir ist ein Ausländer, der nichts sagt, lieber, als ein Deutscher,
der nur Mist redet.“

Krein auf die Frage, warum die Ausländer beim FC Energie auf dem Platz wenig miteinander kommunizieren.

„Bei uns stoppen einige den Ball – soweit kann ich nicht schießen.“
Krein zu den technischen Fertigkeiten einiger Energie-Spieler.

„Quatsch nicht so viel,
trainiere lieber.“

Krein zu Ex-Energie-Stürmer Sebastian Helbig, der nach einem schwachen Spiel ein Interview gab.

„Wir dürfen nicht mehr Tore kassieren als der Gegner schießt.“
„Taktikexperte“ Krein zu
den Vorgaben
für ein Punktspiel.