Neun Jahre war er dort stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Der 64-Jährige ist präsent. Und er ist unbequem. Doch jetzt hat Bosbach angekündigt, sich zum Ende der Wahlperiode im Herbst 2017 aus der Politik zurückzuziehen.

Der schlagfertige Mann aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis vor den Toren Kölns geht nicht ohne Bitterkeit. Er habe in den vergangenen Monaten gemerkt, wie schnell man in die rechte Ecke gestellt wird, wenn man nur auf nüchterne Tatsachen hinweise. "Das möchte ich nicht mehr", sagte Bosbach am Dienstag im WDR-Radio. Gemeint ist damit vor allem seine Kritik an der Flüchtlingspolitik von Parteichefin und Kanzlerin Angela Merkel.

Der konservative CDU-Innenexperte gehört zu den bekanntesten Gesichtern der deutschen Politik. Und er erklärt seine Positionen gern öffentlich. Bosbach redet auch in hitzigen Diskussionen druckreif, formuliert komplizierte Sachverhalte eingängig und pointiert. Doch beim CDU-Establishment hat er sich in den vergangenen Jahren eher wenig Freunde gemacht. 2005 wäre er gern Innenminister geworden. Dass er es nicht wurde, galt vielen schon damals als Signal.

Immer wieder hat Bosbach mit massiver Kritik am Kurs seiner eigenen Partei für Schlagzeilen gesorgt. Die Rettungspolitik für Griechenland verurteilte er als großen Fehler, als Konsequenz aus dem Streit mit der CDU-Spitze um die Milliardenhilfen legte der Jurist im Juli 2015 gar den Vorsitz im Innenausschuss des Bundestages nieder. Seither ist er nur noch als einfacher Wahlkreisabgeordneter im Bundestag. Nicht er habe sich geändert, die CDU sei vom Kurs abgekommen, wirft Bosbach der Parteiführung vor. "In keiner einzige Frage vertrete ich eine Meinung, die nicht auch einmal die Meinung der CDU war", sagte er dem WDR. In den Medien wird er gern als "Rebell", "Abweichler" oder "Querdenker" tituliert; in der Unionsfraktion halten ihn viele eher für eine Nervensäge.

Vor vier Jahren hat Bosbach, Vater von drei erwachsenen Töchtern, öffentlich gemacht, dass er an Krebs erkrankt ist und Herzprobleme hat. Im Juli stürzte er im Urlaub auf Mallorca in einen Gullyschacht und verletzte sich. Doch kurz darauf war er schon wieder im Talkshow-Einsatz. Seine Rückzugsankündigung begründete er auch mit seinem Gesundheitszustand. In der kommenden Woche müsse er für eine schwierige Operation ins Krankenhaus.