Die größte Neuigkeit verschweigt Norbert Röttgen fast. Erst seine Verhandlungspartnerin von den Grünen, die rheinland-pfälzische Ministerin Eveline Lemke, muss ihn daran erinnern. "Das kann ich gerne nachholen", sagt der Bundesumweltminister - und verkündet, er habe einen Ausbaustopp in Gorleben verhängt. Und das bereits vor zwei Wochen. Trotzdem wird der umstrittene Standort immer mehr zur Belastung für die Endlagersuche.

Eigentlich sind Bund und Länder nach jahrelangem Stillstand nun schnell vorangekommen im Bemühen um einen Ort, an dem 29 000 Tonnen an hochradioaktivem Müll viele Tausend Jahre möglichst sicher lagern sollen. Sechs Stufen bis nach 2019 haben sie jetzt vereinbart, mit mehreren Gesetzen, zahlreichen wissenschaftlichen Expertisen und aufwendigen Untersuchungen. Ende 2014 soll die Erkundung möglicher Standorte oberirdisch beginnen. Fünf Jahre später soll es mit der unterirdischen Erkundung ernst werden. Doch alles hängt jetzt an Gorleben. "Die Frage, welche Rolle bei der untertägigen Erkundung der Standort Gorleben spielt, das bedarf noch weiterer Diskussionen", sagt Röttgen. Geht es nach Grünen, SPD und Atomkraftgegnern, dann ist der auch symbolisch aufgeladene Ort 2019 schon seit Jahren aus dem Rennen. "Ein wirklicher Neuanfang in der Endlagersuche kann nur durch eine komplette Aufgabe des Standortes Gorleben gelingen", mahnt Greenpeace-Experte Tobias Münchmeyer.

Was passiert unterdessen in Gorleben tatsächlich? Für die Mitarbeiter im Erkundungsbergwerk hat sich der Arbeitsalltag durch den Ausbaustopp zunächst kaum geändert. Experten prüfen etwa im Erkundungsbereich 1 mit Probebohrungen das dortige Gestein und dessen chemische Zusammensetzung. Auch die Gas- und Ölvorkommen werden weiterhin untersucht. Um diese Arbeiten einzustellen, hätte Röttgen den von den rot und grün regierten Ländern verlangten Erkundungsstopp verhängen müssen. Der Bau neuer Tunnel aber - die von Röttgen ausdrücklich genannten Streckenauffahrungen - ist zunächst nicht mehr möglich. Bislang sind nur im Erkundungsbereich 1 befahrbare Strecken in das Salzgestein gebaut worden.

Experten rechnen damit, dass die vollständige Erkundung des Bergwerks nur mit dem Bau neuer Tunnel möglich ist. Offiziell reicht das Wissen noch nicht aus, um gesichert sagen zu können, ob der Salzstock als Endlager geeignet ist oder nicht. Für die Kritiker steht fest: Er ist es nicht. Die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg etwa nennt die Argumente gegen Gorleben erdrückend - und nicht widerlegbar.