2016 hatten die Ausländerbehörden der Landkreise nur 563 abgelehnte Asylbewerber abschieben lassen. Die Ausländerbehörde des Landes hatte weitere 232 Abschiebungen veranlasst. Zudem gab es 998 freiwillige, teils finanziell geförderte Ausreisen.

Mit den Stimmen der rot-roten Koalition und auf maßgeblichen Druck der Linken hatte der Landtag jedoch im März beschlossen, Ermessensspielräume im Aufenthaltsrecht zu nutzen, und vor jeder Abschiebung zu prüfen, ob eine besondere Schutzbedürftigkeit des Betroffenen nach EU-Richtlinien bestehe. "Das Schreiben Schröters widerspricht diametral unserem Anspruch, dass wir über Einzelfälle reden", sagte die flüchtlingspolitische Sprecherin der Brandenburger Linksfraktion, die Landtagsabgeordnete Andrea Johlige. Derzeit bestehe ein Widerspruch zwischen dem Handeln des Ministeriums und dem Willen der Koalition. Schon vorige Woche hatte es bei den Brandenburger Linken für Verärgerung gesorgt, dass ein offenbar gut integrierter Afghane, der seit mehreren Jahren mit einer Duldung in Brandenburg (Havel) lebte, an seinem Arbeitsplatz festgenommen und abgeschoben wurde. Die Grünen hatten daraufhin auf ihrem Parteitag am Wochenende einen Stopp aller Abschiebungen nach Afghanistan gefordert.