Die Agenda sei zur "Grabplatte der SPD" und "zur Geburtsurkunde der Partei Die Linke" geworden. Zugleich attestierte der 63-Jährige, der am Montag seinen 64. Geburtstag feiert, seinem Landesverband einen Entwicklungsprozess innerhalb der vergangenen knapp zehn Jahre, in denen er der SPD-Landtagsfraktion angehört. Vor 1999 seien die Sozialdemokraten "königlich-sächsische Hof-Opposition" gewesen. "Gerade, als wir mit richtiger Opposition angefangen haben, kamen wir 2004 in die Verlegenheit zu regieren", fügte Nolle hinzu. Er selbst habe es stets für wichtig gehalten, dass die SPD in der Koalition mit der CDU auf gleicher Augenhöhe agiere. Dass Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) der SPD vor wenigen Tagen nahe legte, sich um des Koalitionsfriedens willen von ihm zu trennen, nannte Nolle "einen frommen Kinderwunsch, den sich auch schon Amtsvorgänger Georg Milbradt anmaßte". Er selbst habe sich bei Abstimmungen immer koalitionskonform verhalten und keine einzige Initiative des CDU/SPD-Regierungslagers durch unzulässiges Stimmverhalten verhindert.Derweil weist Sachsens CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer die Kritik Nolles an Tillich zurück. Er sehe in Nolles Äußerung eine Empfehlung für ein Regierungsbündnis von SPD und Linke nach der Landtagswahl am 30. August, sagte Kretschmer am Freitag in Dresden. Nolle hatte zuvor seine Kritik an Tillich wegen dessen Umgang mit seiner eigenen DDR-Biografie erneuert und es als "viel aufrechter" bezeichnet, wie etwa der frühere Abteilungsleiter der Karl-Marx-Städter SED-Bezirksleitung und heutige Linke-Abgeordnete Klaus Bartl mit der eigenen Vergangenheit umgehe. Nolle habe damit für die SPD im Freistaat "Rot-Rot und nichts anderes" angekündigt, kritisierte Kretschmer.Nolle hatte im Herbst 2008 die Debatte um die DDR-Vergangenheit des Ministerpräsidenten mit angestoßen. Er kritisiere weiterhin nicht Tillichs frühere Einbindung ins DDR-System, sondern dessen heutigen "verschleiernden Umgang" damit. Tillich hatte die SPD vor wenigen Tagen dafür kritisiert, dass sie sich nicht von Nolle trennt. ddp/das