In Brandenburg und Sachsen werden jedes Jahr Millionen Jungfische in Spree, Dahme, Elbe und andere Flüsse ausgesetzt. Nur durch solche Besatzmaßnahmen ließ sich in den vergangenen Jahren ein Bestand aufrechterhalten, der nach Angaben des Deutschen Fischereiverbands derzeit immerhin "auf niedrigem Niveau stabil" geworden ist.

Um den Besatz durchzuführen, werden die jungen, nach Europa zurückwandernden Tiere als Glasaale vor den Küsten Spaniens und Frankreichs gefangen. "Es ist ja so, dass Sie beim Aal das Problem haben, dass Sie ihn nicht züchten können", sagte Arne Koops von der Aalversandstelle des Deutschen Fischereiverbands am Rande des Deutschen Fischereitags in Potsdam. "Irgendwo muss man also den Aal entnehmen und ihn dann in das Besatzgebiet verfrachten." 20 bis 50 Tonnen Glasaale werden derzeit in Frankreich und Spanien in jedem Jahr gefangen. "Ein Teil des Fangs geht als Glasaal direkt in den Besatz, ein Teil wird in Aquakulturen gemästet - und was uns massiv missfällt ist, dass ein Teil der Fänge schon als Glas-aal in Spanien und Frankreich verspeist wird."

Wie begehrt der Aal als Speisefisch mittlerweile ist, zeigt indes ein anderes Phänomen: der illegale Aalhandel. Was zunächst klingt wie ein Stück aus dem Märchenbuch, ist nach Angaben von Koops mittlerweile ein reales Problem für die Fischer in ganz Deutschland. "Obwohl es in der EU ein Exportverbot für Glasaale gibt, werden die Tiere in Hongkong und Japan zu teils horrenden Preisen auf Fischmärkten verkauft", sagte Arne Koops.

Auf natürlichem Wege können sie dort nicht hingekommen sein: Der europäische Aal lebt nur in Europa und im Atlantischen Ozean - in Asien kommen andere Arten vor. "Es ist in den letzten Jahren wiederholt vorgekommen, dass Zollbeamte im Handgepäck von Flugreisenden junge Aale fanden", sagt Koops.

Auf das Aalvorkommen in Europa haben solche Exporte mittlerweile durchaus Auswirkungen. "Es kommen weniger junge Aale zur Küste durch, um auf natürlichem Weg in die Flüsse aufzusteigen", sagt Arne Koops. Und Fischereipächter und Angelvereine, die an ihren Gewässern eine Besatzmaßnahme durchführen möchten, um die Aalvorkommen darin abzusichern, müssten höhere Preise für die Glasaale bezahlen. Was am Ende auch dazu führen kann, dass der ohnehin schon seltene Aal zu einer noch größeren Rarität in den heimischen Flüssen und Seen wird.