. Homo-Ehe, Verhütung, Scheidung - jahrelang standen diese Themen in der katholischen Kirche nicht zur Debatte. Auch wenn zum Ende der zweiwöchigen Synode im Vatikan die mitunter erhoffte Wende ausblieb - mit der offenen und kontroversen Diskussion darüber scheint etwas in Gang gekommen zu sein.

Das wurde vor allem zum Ende klar: Auf ausdrücklichen Wunsch von Papst Franziskus veröffentlichte der Vatikan - wo sonst sogar die Stimmkarten bei der Papstwahl verbrannt werden - die einzelnen Abstimmungsergebnisse des Berichts. Die zeigen schwarz auf weiß: Zwar gibt es keinen breiten Konsens, aber die Themen liegen auf dem Tisch.

Das dürfte vor allem ein Verdienst von Franziskus sein, der die Bischöfe ganz zu Beginn ihrer Beratungen eindriglich gebeten hatte, offen zu sprechen und auch genau zuzuhören. In seiner Predigt am Sonntag zur Seligsprechung von Papst Paul VI. sagte er zudem: Gott "hat keine Angst vor dem Neuen. Darum überrascht er uns ständig, indem er ungeahnte Wege vor uns auftut und uns zu ihnen hinführt." Auch in seiner Ansprache vor den Bischöfen zum Abschluss der Familiensynode lobte er die "emotionalen Diskussionen" - und bekam von den Teilnehmern minutenlangen Applaus.

Zuvor hatten die 200 "Synodenväter" aus aller Welt Punkt für Punkt über das Abschlussdokument der Synode abgestimmt. In der großen Mehrheit der Themen erzielten sie Einmütigkeit, votierten mindestens mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit dafür. Nicht so bei den Punkten 52, 53 und 55, die sich um den Umgang der Kirche mit Homosexuellen und Geschiedenen drehen. Zwar steht auch hier eine Mehrheit der Bischöfe hinter den Formulierungen, aber eben keine "qualifizierte".

Wohl ganz nach den Vorstellungen des Papstes debattierten die Bischöfe zwei Wochen lang in einer vorher von vielen nicht für möglich gehaltenen Art und Weise über für die Kirche so heikle Themen wie Verhütung, Homo-Ehe, Scheidung und Polygamie. Sogar die "einfachen" Kirchenmitglieder in aller Welt waren nach ihrer Meinung gefragt worden.

Das Befragungsergebnis: Viele Gläubige fühlen eine Kluft zwischen ihrem wirklichen Leben und der Lehre ihrer Kirche.

Dieser Diagnose konnten sich die "Synodenväter" nicht verschließen. Wie heftig dann aber diskutiert wurde, macht vielleicht die Reaktion konservativer Bischöfe auf den viel beachteten Zwischenbericht der Synode nach der ersten Woche deutlich: Nachdem dieser einen für viele Beobachter grundlegend neuen Ton im Umgang mit Homosexuellen anschlug, protestierten einige Bischöfe heftig. Sie distanzierten sich öffentlich von dem Papier.

Sogar der Vatikan sah sich nach der Veröffentlichung des Berichts und den anschließenden Diskussionen zur Klarstellung gezwungen, dass es sich lediglich um ein Arbeitspapier handele. Es folgte, was viele dann erwartet hatten: In Kleingruppen wurde weiter gestritten. Am Ende steht ein eher "entschärftes" Papier, das keinen verbindlichen Charakter hat und die Synode 2015 vorbereitet.

Zum Thema:
Papst Franziskus hat am Sonntag Paul VI. seliggesprochen. Das katholische Kirchenoberhaupt verkündete die Formel unter dem Applaus der versammelten Gläubigen bei einer Messe auf dem Petersplatz in Rom. Künftig wird der 26. September, der Geburtstag des 1897 als Giovanni Battista Montini in Norditalien geborenen einstigen Kirchenoberhaupts (1963-1978), als Festtag in der katholischen Kirche begangen.