Es müsse "mit Augenmaß und Vernunft" das Nötige getan werden.

"Jedem Menschen, der als Flüchtling bei uns lebt, dem begegnen wir nach dem Liebesgebot Jesu, das steht für alle kirchlichen Worte und auch für unser Handeln im Vordergrund." In ganz vielen Kirchgemeinden gebe es Bürger, die Deutschkurse für Flüchtlinge oder Aktivitäten und Spiele für die Kinder organisieren sowie bei Behördengängen helfen.

Die Einwanderungspolitik in Deutschland sei ein Thema, bei dem in den vergangenen 30 Jahren nicht alles richtig gemacht wurde, sagte Bohl. "Vor diesem Hintergrund kann ich auch manche Befürchtungen gut verstehen." Für Sachsen und Dresden sieht er angesichts des sehr niedrigen Ausländeranteils - 2,5 Prozent Ende 2013 - keinen realen Anhalt dafür. "In Westdeutschland gibt es ja Städte, wo so etwas wie Parallelgesellschaften entstanden sind." Da zeigten sich die Versäumnisse der bisherigen Einwanderungspolitik.

Bohl verwies darauf, dass Deutschland angesichts der demografischen Entwicklung auf Einwanderung angewiesen sei. "Jedem muss klar sein, dass es weltweit ein sehr attraktives Land ist; wir werden um unsere gesicherte Lebenssituation, unseren Wohlstand, auch um unsere Kultur beneidet", sagte er. "In einer Welt, in der die Grenzen gefallen sind, können wir uns nicht abschotten." Insofern könne Zuwanderung nicht abgelehnt, sondern sie müsse gestaltet werden, forderte der Bischof. Daran müssten die Bürger beteiligt werden. "Die Information über diese Dinge muss verbessert werden - allgemein und konkret." Denn Deutschland brauche junge Menschen, "die die wirtschaftliche Dynamik weitertragen und die auch die vielen alten Menschen pflegen werden". Daher sei auch das Engagement der Zivilgesellschaft gefragt. "Das ist nicht nur eine Sache, wo sich Christen engagieren, sondern alle Menschen guten Willens sind willkommen, sich zu beteiligen." Die Kirche stelle sich schützend vor die Flüchtlinge und werde sich allen Versuchen widersetzen, ihnen anders als mit Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe zu begegnen, so Bohl.