Das taten auch große und renommierte Versicherungsunternehmen über Jahre hinweg offenbar gern - trotz vieler offener Fragen.

"Wir wollten einen wichtigen Player in diesem Markt nicht verpassen", so begründete am Montag Günther Soboll seine Kooperation mit der Infinus-Gruppe. Der langjährige Hauptbevollmächtigte der Canada Life Assurance zeichnete vor der Großen Wirtschaftsstrafkammer das Bild eines "störungsfreien Geschäfts", das 2003 begann und erst mit der Insolvenz von Infinus 2014 endete.

Aber so ganz wohl war dem heute 65-jährigen Versicherungsmanager nicht bei den Lebensversicherungs-Anträgen, die die Infinus-Makler in sein Haus spülten. Denn viele der Kunden kamen offenbar aus dem Umfeld des Infinus-Firmengeflechts. Solche Verträge, führte Soboll aus, seien finanziell riskant für den Versicherer. Und wirtschaftlich fragwürdig, wenn die Makler hohe Provisionen bekommen.

Nach gut zehn Verhandlungstagen sieht es so aus, als seien ebendiese Provisionen für Infinus Brot und Butter gewesen. Dass das Geld dringend gebraucht wurde, um das großspurig auftretende Unternehmen am Laufen zu halten, vermutet die Staatsanwaltschaft. Die Anklage lautet auf bandenmäßigen Betrug. Mehr als 40 000 Anleger soll Infinus um insgesamt eine Milliarde Euro gebracht haben. Bis in den Sommer geht das Gericht der Frage nach, ob die angeklagte sechsköpfige Unternehmensspitze ein sogenanntes Schneeballsystem betrieb.

Bei der Canada Life wollte man das offenbar nicht so genau wissen - schließlich flossen die Prämien ohne Probleme. Die Infinus erschien Manager Soboll als ein "aufgehender Stern", von dessen wachsender Marktrelevanz man profitieren wollte. Doch richtig auf ging das nicht. An weiteren Eigengeschäften habe sein Haus kein Interesse gehabt. Doch das erhoffte "Normalgeschäft" - mit normalen Einzelkunden und Einzelverträgen - sei nie zustande gekommen. Heute sagen weitere Zeugen aus.