Nach einer Viertelstunde warten die Demonstranten nicht mehr vor der Tür, sondern im Foyer der Kreisverwaltung auf die Ankunft von Ministerpräsident Matthias Platzeck. Die Vertreter von Vereinen aus dem Landkreis Spree-Neiße und der Stadt Cottbus wollen ihren Unmut gegen die Streichungen auf dem zweiten Arbeitsmarkt kundtun. Denn gerade die sozialen Vereine sehen durch die Streichungen des Arbeitsamtes bei SAM- und ABM-Stellen ihre Arbeit bedroht (RUNDSCHAU berichtete).
Plakate oder Transparente gibt es wenig; die Demonstration war so kurzfristig organisiert worden, dass selbst die normalerweise nötige Anmeldung bei der Polizei vergessen wurde. Die Erlaubnis des Landrats, im Amt zu warten, ist damit mehr als nur eine freundliche Geste angesichts der Kälte.

Briefe für den Landes-Chef
„Wir wollen zeigen, dass wir es für schäbig halten, dass hier der Rotstift angesetzt wird“ , versucht Demo-Organisatorin Doris Dreßler im nicht mehr so kalten Warteraum auch die Stimmung der Wartenden aufzuwärmen. Im Gepäck haben sie und die Vertreter anderer Vereine Briefe an den Ministerpräsidenten. Bitten in Briefform. Gedruckte Hilflosigkeit. Hinweise auf jahrelanges soziales Engagement, dem die Basis entzogen wird. Solle die Landesregierung doch in den eigenen Ressorts ansetzen, fordert die Mitarbeiterin im Forster Verein „Zukunft, Aktivität, Kreativität“ (ZAK), der von den SAM-Kürzungen stark betroffen wäre. Dreßler dankt den zur Demonstration Erschienen und appelliert für Gemeinsamkeit: „Es bringt nichts, wenn jeder Verein sich allein über die Medien beklagt.“
Als Platzeck eintrifft, spricht sie ihn mit Vornamen an. Dreßler ist Mitglied im Unterbezirksvorstand der Spree-Neiße-SPD, bittet den Genossen, seine Möglichkeiten zu nutzen, damit es nicht zum Kahlschlag auf dem zweiten Arbeitsmarkt kommt, überreicht das gemeinsame Schreiben der im „Netzwerk Chancengleichheit“ organisierten Vereine.

Noch Informationsbedarf
Platzeck nimmt es zur Kenntnis, erhält noch weitere Briefe. Als er weitergehen will, ruft ihm eine Frau entgeistert hinterher: „Wollen Sie denn nichts dazu sagen?!“ Platzeck will nicht und begründet dies damit, dass er sich immer erst konkret informiere, bevor er sich äußert.
Später, während einer Pressekonferenz, sagt der Ministerpräsident doch noch etwas. Dass die Kürzungen bei den SAM-Stellen nichts mit den Sparmaßnahmen des Landes zu tun haben. Schließlich sei das Arbeitsamt eine Bundesbehörde. Und dann doch noch eine Aussage in ein Rundfunk-Mikrofon: Sozialminister Günter Baaske werde sich bemühen, Einfluss auf die Kürzungspolitik der Bundesanstalt für Arbeit zu nehmen. Die Demonstranten hören es nicht mehr.