Dafür war, ist und bleibt die Domowina ein Garant.

Wie beurteilen Sie den Weg der Domowina nach der politischen Wende 1989?
Das war auch für uns eine Zeit der Abwanderung, der Findung und der Neuorientierung. Dass die Domowina heute ein anerkannter Partner in Politik und Gesellschaft ist, beweist: Uns ist der Wandel hin zu einer offenen demokratischen Institution gelungen.

Fühlt sich ihre nationale Minderheit von der Politik genügend unterstützt?
Ja und nein. Grundsätzlich erkennt die Domowina an, dass wir von der Politik akzeptiert und unterstützt werden. Niemand wird sagen, dass wir ein Unthema wären. Aber: Wir müssen darüber reden, dass die Bedingungen von heute nicht mehr jene von morgen sein werden. Bei den Mitteln für die Stiftung für das sorbische Volk wird es Nachbesserungen geben müssen. Tariferhöhungen oder Inflation sind hier unberücksichtigt.

Was heißt das konkret?
Dass wir für sorbische Schulen in Zukunft mehr Geld brauchen werden. Ebenso betrifft das unser Witaj-Projekt zur Förderung der sorbisch/wendischen Sprache schon in der Kita. Wir sind froh, dass Sparvorschläge in Brandenburg zunächst vom Tisch sind und weitergearbeitet werden kann. Das Einfrieren der Mittel für die Stiftung für das sorbische Volk durch den Bund sowie die Länder Sachsen und Brandenburg bereitet uns für die Zukunft ebenso Kopfzerbrechen. Wir werden bei Beibehaltung unserer geplanten Projekte im Jahre 2013 mit einem Defizit von einer Million Euro dastehen.

Was erwarten Sie künftig von der Politik?
Mit diesem Defizit können wir nicht leben. Das heißt, die Politik fordert, dass wir weiter an unseren Projekten und an den Institutionen sparen. Aber, wir haben nicht einmal das Geld dafür, Strukturveränderungen anzugehen. Und beim Sorbischen Institut ist ohnehin das Ende der Fahnenstange erreicht. Ich erwarte deshalb von der Politik, dass die Sorben-Förderung auch den Gegebenheiten angepasst wird.

Was wünschen Sie sich für die nächsten 100 Jahre?
Vor allem, dass wir Offenheit in Politik und Gesellschaft praktizieren. Und da bin ich wieder beim Witaj-Projekt. Denn es sollte anerkannt werden, dass es für Sorben und Deutsche gleichermaßen von Vorteil ist. Das Projekt trägt dazu bei, dass Deutsche und Sorben mehr und mehr zu europä ischen Bürgern werden.

Mit David Statnik sprach

Christian Taubert