Als Martina Münch zum Redaktionsgespräch in die RUNDSCHAU kommt, ist sie noch keine 50 Tage im Amt als Ministerin. Sie hat gerade den Stadtmarathon in Boston - die Reise ist ein Geschenk ihres Mannes - in den Beinen. Und sie ist noch voller Emotionen ob "des friedlich-fröhlichen Festes, das 30 000 Starter so vieler Nationen hier gefeiert haben". Es sei noch immer nicht zu begreifen, sagt die 54-Jährige, dass Terroristen dort vor drei Jahren einen Anschlag verübt haben. "Jetzt erst recht" würden die Läufer aus aller Welt hierher zurückkommen.

In Potsdam ist indes der zweite politische Marathon in den Disziplinen Wissenschaft, Forschung und Kultur für die Cottbuserin im vollen Gange. Es habe sie "sehr glücklich gemacht", als Regierungschef Dietmar Woidke (SPD) sie gefragt habe, das zu besetzende Ministeramt für Sabine Kunst (SPD) anzutreten. Als Vorgängerin und Nachfolgerin der wieder in die Wissenschaft gewechselten Kunst sei da für ein Stück Kontinuität gesorgt. Ohnehin erinnert Münch an den Herbst 2009, als sie für anderthalb Jahre als Wissenschafts- und Kulturministerin in das rot-rote Kabinett Platzeck einzog. Es seien damals unter ihrer Regie Weichen in Wissenschaft und Kultur gestellt worden. So habe sie die Lausitz-Kommission zur Bewertung der beiden Hochschulen in Cottbus und Senftenberg ebenso auf den Weg gebracht wie die Hochschulstruktur-Kommission für das Land.

In diese Zeit fielen die Entscheidungen, die erste kulturpolitische Strategie Brandenburgs aufzulegen und die Landesausstellung in Doberlug-Kirchhain in Angriff zu nehmen. Martina Münch plaudert sogar aus dem Nähkästchen: "Damals schon wollte sich Sabine Kunst als Präsidentin der Uni Potsdam verändern. Ich habe die Bleibeverhandlungen geführt."

Dass sie damit ihre Nachfolgerin im Land hielt, wurde erst Anfang 2011 klar. Für den über eine Dienstwagenaffäre gestolperten Holger Rupprecht (SPD) wechselte sie ins Bildungsressort. Dass es ein Fehler gewesen sei, so schnell die Pferde zu wechseln, "das würde ich so nicht sagen". Martina Münch räumt aber ein, zu ungeduldig gewesen zu sein. "Ich habe darauf gesetzt, dass Veränderungen im Bildungsbereich, etwa die Einführung von Inklusion, schneller möglich sind." In so mancher Debatte vor Ort hat sie bei Lehrern und Sonderpädagogen für Unverständnis gesorgt. Obwohl sie die Kampagne zur Einstellung von mehr als 1000 neuen Lehrern im Land einleitete, ließ die Opposition im Landtag kein gutes Haar an der Ministerin.

Ritterschlag für die BTU

Der Neustart im vertrauten Ressort scheint indes recht reibungslos zu funktionieren. Im Wissenschaftsbereich hat das Projekt neue BTU Cottbus-Senftenberg gerade einen Ritterschlag erhalten. Der Wissenschaftsrat, der den Bund in Sachen Hochschulfinanzierung berät, sieht die Fusion von Universität und Fachhochschule in der Lausitz auf einem guten Weg. Münch zollt ihrer Vorgängerin für den "mutigen Schritt Respekt". Mit den jetzt eingeleiteten Berufungen richte sich die BTU auf die Zukunft aus und nutze sich bietende Chancen.

Ein Ziel müsse sein, die Studierendenzahl vor dem Hintergrund des demografischen Echos auf mehr als 8500 zu stabilisieren und mittelfristig wieder 10 000 anzustreben - "gerade mit dem Fächerspektrum der Ingenieur-Wissenschaften sehe ich viel Potenzial", sagt die Ministerin. "Die große Chance auch für den Strukturwandel in der Lausitz besteht darin, Wissenschaft und Unternehmen noch enger zu vernetzen. Wissenstransfer heißt die Zauberformel."

Was die SPD-Politikerin als Kulturministerin vor allem umtreibt, ist eine parallel zur geplanten Kreisreform ab 2019 zukunftsfest zu gestaltende Kulturfinanzierung. Dass das Museum Junge Kunst Frankfurt (Oder) mit unter das Dach der Brandenburger Kulturstiftung Cottbus - aus Kunstmuseum dkw und Staatstheater - schlüpfen soll, sei kein Geheimnis. "Die Stadt Frankfurt wird sich es sonst künftig nicht mehr leisten können, die Sammlung professionell zu entwickeln und zu präsentieren - mit der Fusion beider Einrichtungen besteht die Chance, einen Gesamtbestand zu etablieren, der bundesweit eine der wichtigsten und umfangreichsten Sammlungen der ostdeutschen Kunst darstellen würde", sagt die Ministerin. Selbst die geplante großzügige Finanzierung 50:30:20 (Land, Finanzausgleichsgesetz, Stadt) im Bereich der Theater und Orchester werde für die Stadt schwer zu stemmen sein.

Was aus Münchs Sicht auch auf das Cottbuser piccolo-Theater zutreffe. Noch zahle die Kommune rund 60 Prozent der Kosten. Unterm Dach der Kulturstiftung würde das Land einen größeren Anteil übernehmen. "Ich werde in Kürze mit der piccolo-Elterninitiative darüber reden", kündigt sie an und verweist zugleich darauf, "dass niemand dem piccolo an den Kragen will - das Kinder- und Jugendtheater wird landesweit sehr geschätzt". Es gehe um zukunftsfeste Strukturen, die Brandenburgs Kulturlandschaft trotz begrenzter kommunaler Mittel, Schuldenbremse und auslaufenden Solidarpaktmitteln sichern. Deshalb steht auf Münchs Agenda für diese Legislaturperiode auch, "das bedeutende Pückler-Erbe Schloss und Park Branitz in eine Landesstiftung zu überführen".

Die Opposition im Landtag wird den politischen Marathon der alten, neuen Ministerin aus Cottbus bis 2019 schon an der "Zwischenzeitnahme Kreisreform" bewerten. Bisher galt sie als Verfechterin der Kreisfreiheit für Brandenburg an der Havel, Frankfurt (Oder) und Cottbus. "Ich stehe dazu, dass Kreisfreiheit ein hohes Gut ist", erläutert sie.

Wie wird Cottbus gestärkt?

Münch gehe es aber nicht allein um den Status, sondern darum, "wie etwa das Oberzentrum Cottbus mit der Reform gestärkt wird". Cottbus als starker Wissenschaftsstandort und kulturelles Schwergewicht müsse selbstbestimmt, handlungsfähig und stark bleiben. "Wie das am besten geschehen kann, darüber werden wir noch reden - das Leitbild sagt dazu noch zu wenig Konkretes."