"Diese Bilder wird man nie mehr los!" Auch 58 Jahre nach der verheerenden Bombennacht ist die Erinnerung Helga Sievers an die Zerstörung ihrer Heimatstadt Dresden am 13./14. Februar 1945 nicht verblasst. "Es ist für mich unvorstellbar, dass es Leute gibt, die ungerührt den Krieg forcieren", sagt die 77-jährige Rentnerin. Mit anderen Überlebenden aus Dresden und dem spanischen Guernica hat sie vor dem heutigen Gedenktag einen Aufruf an die Menschen der Welt gegen einen Irak-Krieg unterzeichnet.
"Die letzten Wochen wecken böse Erinnerungen. Wenn ich die aufgerüsteten Flugzeugträger im Fernsehen sehe und das Brummen der Flieger höre, kriege ich wieder eine Gänsehaut", sagt sie. "Ich spüre die Gefahr körperlich." Wieder hat sie das hilflose Entsetzen vor Augen, dem sie als 20-jährige Medizinstudentin im Einsatz des Deutschen Roten Kreuzes ausgeliefert war. "Kurz nach dem Eintreffen von 750 Flüchtlingen aus Breslau im Lager kam der erste Angriff", sagt Siever.

Ganze Straßenzüge weggefegt
Unter dem Dröhnen der Bomber brachten sie und ihre Kollegen diese Menschen unversehrt durch Bombenhagel und Feuersturm. Tage danach sah sie in der Stadt verkohlte Menschen im Rinnstein liegen. "Sie waren aufgestapelt wie Holzstämme, die Gebäude waren nur noch Ruinen, ganze Straßenzüge wie weggefegt", erinnert sie sich. "Diese Erlebnisse sind so nah, als ob es gestern gewesen wäre", sagt Anita John. Sie war zwölf, als ihr die Bombennacht die Familie nahm.
"Mein ganzes Leben zerbrach, ich verlor jeglichen Halt." Statt zu studieren, machte sie auf Anraten ihrer Verwandten nach der Schule eine kaufmännische Lehre. "Ich hatte ein schönes Leben mit Hochs und Tiefs", erzählt sie. "Aber als meine Tochter geboren wurde, kam die Sehnsucht, dieses Glück mit meiner Mutter zu teilen." Für sie sei klar: "Es muss immer einen Weg zur friedlichen Einigung geben." Wie Helga Siever engagiert sie sich dafür, dass der 13. Februar nicht nur Totengedenken in Dresden, sondern auch Mahnung ist.
Dieses Jahr mahnen Überlebende aus Dresden und Guernica gemeinsam aus der Elbestadt. "Beide Städte sind zu Symbolen für militärische Gewalt gegen die Zivilbevölkerung geworden." Guernica war 1937 die erste, Dresden 1945 die letzte Stadt, auf die Bomben gegen Menschen geworfen wurden. "Wir wissen, was Krieg wirklich bedeutet, jenseits der Fernsehbilder", heißt es. "Weil wir unter den Bomben gelitten haben, mahnen wir, damit nie wieder so etwas in der Welt geschieht", sagt Luis Iriando.
Der 80-Jährige überlebte die Gräuel von Guernica, die Pablo Picasso in seinem berühmten Gemälde festhielt. Dreieinhalb Stunden lang fielen am 26. April 1937 Bomben auf den Ort, alle Gebäude fielen in Schutt und Asche, Menschen kamen zu Tode. "Bevor der erste Schuss abgegeben wird, besteht immer Hoffnung, dass man den Krieg noch verhindern kann", meint er. Iriando ist Sprecher der Gruppe der Überlebenden von Guernica, das in Spanien ein Symbol für Terror gegen unschuldige Menschen sei wie Dresden in Deutschland.

Wenn man Krieg kennt
Helga Siever erliegt nicht der Illusion, US-Präsident George Bush ins Konzept reden zu können. "Mir persönlich liegt daran, unserer Regierung gegen den Druck der Amerikaner und der Opposition den Rücken zu stärken", erklärt sie. "Wir sind schon gebrannte Kinder." Dies wolle sie als Mahnung an Leute weitergeben, die Krieg nicht kennen. "Wenn Deutschland sich raushalten könnte, wäre es ein Gewinn."