Lehrer, Polizisten, Feuerwehrleute, Beschäftigte von Hochschulen, Landesämtern und Techniker der Semperoper sind zur Großkundgebung nach Dresden gekommen, da heute die Tarifpartner der Länder in Potsdam zum viertel Mal über die Gehälter reden."Das Signal aus Sachsen", sagt die Vize-Chefin der GEW, Uschi Kruse, "ist unübersehbar: Unsere Arbeit ist mehr wert.” Als Unland freundlich anmerkt, die Lehrer seien ja tatsächlich nicht am Debakel vieler Unternehmen schuld, ruft einer ein böses Stichwort dazwischen: "Landesbank!" Und Kruse merkt an: "Wir werden unser Geld nicht in Irland verzocken, sondern in Sachsen einkaufen gehen."Überhaupt ist viel von den milliardenschweren Rettungspaketen und unanständigen Managergehältern die Rede, während die Gewerkschafter ihre Lohnforderung erklären. Das bisherige "Scheinangebot" des Verhandlungsführers der Tarifgemeinschaft der Länder, Hartmut Möllring (CDU), sei "blanker Hohn", klagt Frank Stöhr, der Vorsitzende der dbb-tarifunion. "Herr Möllring, machen Sie Tarif- und nicht Blockadepolitik." Warum, so fragt Stöhr, sollten Landesbeschäftigte weniger verdienen als ihre Kollegen in den Kommunen. Die Verantwortlichen dafür säßen aber in den Staatskanzleien der Länder. "Herr Tillich", ruft Stöhr, "sorgen Sie dafür, dass die sächsischen Beschäftigten ordentlich bezahlt werden."Bisher haben die Länder ein Plus von 4,2 Prozent ab Juli angeboten. GEW-Verhandlungsführerin Ilse Schaad rechnet allerdings vor, der Vorschlag der Arbeitgeber bedeute "weniger als die Abwrackprämie für eine alte Schrottlaube". In den Verhandlungen sei zudem der Vorschlag gekommen, die Ost-Länder von der Tarifentwicklung abzukoppeln. "Das machen wir nicht mit", sagt Schaad. Und verdi-Bezirkschef Thomas Voß droht bereits: Wenn die Verhandlungen am Wochenende nicht vorankämen, "werden wir in Urabstimmungen gehen und in Streiks beweisen, was unsere Arbeit wert ist".In den Warnstreiks hatten etwa 20 000 der 35 000 Lehrer von landesweit rund 1000 der 1400 Schulen den regulären Unterricht ausfallen lassen. Unland zeigt sogar Verständnis für die Forderungen der Landesbeschäftigten. Als Finanzminister müsse er aber auch dafür sorgen, "dass die finanziellen Schleusen nicht geöffnet werden".Frank Wonneberger, 43, und Katrin Sosalla, 42, sind Lehrer am Beruflichen Schulzentrum für Wirtschaft III in Dresden. Es gehe ihnen nicht in erster Linie darum, dass die Löhne steigen, sagen sie. Viel wichtiger sei es, dass die Arbeitsbedingungen besser werden. "Wir wollen mehr Lehrer, damit es weniger Ausfallzeiten gibt", sagt Sosalla. "Referendare müssen endlich unbefristet übernommen werden." Bundesweit beteiligten sich nach Angaben von verdi mehr als 40 000 Angestellte und Beamte an den Aktionen in Sachsen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und dem Saarland. Auch wenn die Positionen noch weit auseinander liegen, gaben beide Seiten zu erkennen, dass sie eine Einigung anstreben. www.lr-online.de/warnstreik