Mit 29 Hundertschaften wird die Polizei am 13. Februar in Dresden unterwegs sein. 22 davon kommen aus anderen Bundesländern. "Das ist ein Viertel aller Einsatzkräfte, die für diesen Tag bundesweit verfügbar waren", erklärte Dresdens Polizeipräsident Dieter Kroll am Dienstag. Dennoch erwartet Kroll in diesem Jahr einen "deutlich entspannteren Einsatz" am Gedenktag der Bombardierung Dresdens. Gewaltexzesse wie vor zwei Jahren werden diesmal hoffentlich ausbleiben.

Sieben Veranstaltungen

Angemeldet sind bislang sieben Veranstaltungen. Darunter der Neonazi-Aufmarsch, dessen Route auch in diesem Jahr nicht vorab bekannt gegeben wird. Klar ist nur, dass der Aufmarsch um 18 Uhr beginnt - ebenso wie die Menschenkette. Für die genehmigten Gedenkveranstaltungen erwarten die Behörden rund 10 000 Teilnehmer.

Die Menschenkette, die von offizieller Seite präferierte Protestform gegen den Neonazi-Aufmarsch, wird bereits von Stadt und Staatsregierung intensiv beworben: "Wir fordern die Dresdner auf, den Neonazis klar- zumachen, dass sie in der Stadt nichts zu suchen haben", sagte Innenstaatssekretär Michael Wilhelm.

Polizei und Innenministerium rechnen mit 800 bis 1200 Rechtsextremen, die am Gedenktag durch die Innenstadt marschieren werden. Polizeipräsident Kroll machte vorab klar, dass er den Schutz der Neonazi-Demonstration nicht als "uneingeschränkte staatliche Verpflichtung" verstehe. "Wir werden für die Neonazis nicht kämpfen", so Kroll. Mit solchen Worten versucht die Polizei die Annäherung an das bunt gemischte Lager der Gegendemonstranten. Aus deren Reihen war es vor zwei Jahren zu schweren Störungen gekommen. Die Polizei sprach später von mehr als 100 verletzten Beamten.

Hoffnung auf Vertrauenszuwachs

Dagegen verlief der Tag im Jahr 2012 einigermaßen friedlich. Die befürchteten Ausschreitungen blieben weitestgehend aus, stattdessen reichten sich mehr als 13 000 Menschen die Hand und schlossen damit die fast vier Kilometer lange Menschenkette in der Innenstadt. Der Auftrieb der Rechtsextremen hatte indes nach einer halben Stunde ein Ende, ihre Route musste verkürzt werden. So wünscht sich das Michael Wilhelm auch dieses Jahr. Im Vergleich zu den Vorjahren ist die Stimmung weniger aufgeheizt. Der Dresdner Neonazi-Aufmarsch schrumpft seit Jahren. Stadt und Freistaat hegen die Hoffnung, dass die Marschierer sich anderswohin verziehen, statt die reizvolle Elbmetropole alle Jahre wieder in die Negativ-Schlagzeilen zu ziehen.

Für diesmal ist der Polizeichef optimistisch, dass seitens der Menschen, die sich dem braunen Fackelzug entgegenstellen wollen, "vielleicht ein Stück Feindbild weggebrochen ist und ein Stück Grundvertrauen die Chance hatte zu entstehen".

Aufruf zu Sitzblockaden

Das Bündnis "Dresden Nazifrei" hat bislang zwar keine Veranstaltung angemeldet, aber zu Sitzblockaden aufgerufen. Das Bündnis hat für Sonnabend ein Blockadetraining am Altmarkt angesetzt. Ziel sei es, den Aufmarsch der Rechtsextremen wie in den vergangenen Jahren zu verhindern. Dazu hat Polizeipräsident Kroll allerdings einen klaren Standpunkt. Für ihn gibt es keine friedlichen Blockaden. Sie passen auch nicht in die Strategie des Innenministeriums für den 13. Februar. Denn die sieht vor, die Rechtsextremen auf schnellstem Weg über die Demonstrationsroute zu scheuchen - um danach wieder Ruhe zu haben. "Wir wollen diese Leute so schnell wie möglich wieder aus der Stadt raus haben", erklärte Staatssekretär Wilhelm, "mit Blockaden erreichen wir genau das Gegenteil". Polizeichef Kroll räumte vorab indes ein, seine Beamten könnten unmöglich 3000 Leute wegtragen.