Herr Apel, wie bewerten Sie als Niederlausitz-Sprecher der Initiative für ein Sorbisches Parlament - Serbski Sejmik - den Auftakt in Schmochtitz?
Es haben sich immerhin rund 80 Interessierte zu unserem Runden Tisch eingefunden - und bis spät in den Abend diskutiert. Schmochtitz war ein gelungener Start auf dem Weg zu einer demokratisch legitimierten Volksvertretung der Sorben/Wenden. Wir sind uns aber im Klaren darüber, dass wir einen langen Atem brauchen werden.

Was war für Sie der Kernpunkt der Debatte?
Alles rankt sich um die Frage, wie es verfassungsmäßig gelingen kann, in Sachsen und Brandenburg ein Serbski Sejmik zu wählen. Dabei hat sich für die Initiative herauskristallisiert, dass es eine Gesetzesinitiative in beiden Ländern geben muss.

Das heißt, Abgeordnete in beiden Landtagen müssten für die Initiative aktiv werden?
Ja, wir würden die Vorlage erarbeiten. Wer soll das sonst auch für uns machen. Und über Abgeordnete würde der Gesetzentwurf in die Parlamente eingebracht werden. Verbündete gibt es dafür bereits in Sachsen und Brandenburg.

Warum begehrt Ihre Initiative gerade jetzt nach einer demokratisch legitimierten Volksvertretung - nach 100 Jahren Domowina?
Diese Debatte steht seit 1989 auf der Tagesordnung. Mehrere Gutachten und Arbeitsgruppen haben seither auf eine eigene Interessenvertretung der Sorben/Wenden verwiesen. Letztlich hat die Bundesregierung nach einer parlamentarischen Anfrage der Grünen im Bundestag eine Behandlung des Themas an die Stiftung für das sorbische Volk übertragen. Doch der Stiftungsrat hat die Ergebnisse nur zur Kenntnis genommen, aber sich der Debatte verweigert.

War das der Auslöser für die Initiative eines Serbski Sejmik?
Ja. Wir waren an dem Punkt angekommen, dass wir selbst die Initiative ergreifen mussten. Immerhin befanden wir uns damit in Übereinstimmung mit der Bundesregierung, die eine demokratisch legitimierte Vertretung der Sorben/Wenden in die Hände unseres Volkes gelegt hat.

Geht die Initiative jetzt einen Weg gegen die Domowina?
Es ist schade, dass sich der Bundesvorstand der Domowina nicht durchringen konnte, in Schmochtitz teilzunehmen. Er hat zur selben Zeit die Domowina-Hauptversammlung im März vorbereitet. Dennoch halte ich verbale Angriffe auf den Bund Lausitzer Sorben für völlig unangebracht. Wir wollen alle in den Prozess zum Serbski Sejmik einbeziehen, die Interesse am Erhalt der sorbischen/wendischen Sprache und Kultur haben.

Bietet die Domowina-Hauptversammlung eine Chance, das Anliegen ihrer Initiative vorzutragen?
Das ist unser Ziel. Wir wollen im Vorfeld die Ergebnisse des Runden Tisches an die Delegierten der Hauptversammlung übergeben und vielleicht auch vor Ort darüber diskutieren.

Welchen Zeitraum stecken Sie bis hin zu einem möglichen gewählten sorbischen Parlament ab?
In der Initiative gibt es noch immer Diskussionen über das Wie auf dem Weg zu einem Serbski Sejmik. Wenn wir uns endgültig auf das Verfahren über eine Gesetzesinitiative einigen, kommen wir sicher zügig voran. Dennoch: Wir brauchen Gesetze in Brandenburg und Sachsen sowie einen Staatsvertrag zwischen beiden Ländern. Mit acht bis zehn Jahren sollten wir rechnen. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass es schneller geht.

Mit Michael Apel

sprach Christian Taubert