Wie sieht die GDL die aktuelle Situation„
Das ganze Gerede ist wenig hilfreich. Entweder hatte sich der Bahnchef wieder einmal nicht mehr unter Kontrolle. Oder er hat die Absprachen ganz bewusst gebrochen, um sich vor einer großen Kulisse mit dem Bundesverkehrsminister in Szene zu setzen und den ach so gütigen und einigungsbereiten Bahnchef zu geben, der nichts anderes als das Wohl des Fahrpersonals im Kopf hat. Übrigens just in diesen Tagen haben auch die Herren von Mehdorns Hausgewerkschaft Transnet die Liebe zum Fahrpersonal entdeckt und eine Kampagne für mehr Lohn im zweistelligen Bereich gestartet.

Aber Mehdorn hat vor laufenden Kameras erneut erklärt, die Tarifautonomie und damit ein eigenständiger Tarifvertrag für die GDL sei "nicht verhandelbar".
Offenbar haben die Damen und Herren vom Bahnvorstand noch nichts begriffen. Wir sind nicht käuflich. Für uns ist die Eigenständigkeit bei der Aushandlung der Tarife für das Fahrpersonal nicht mit Prozenten beim Geld zu erkaufen. Und selbst Lockangebote von acht bis 13 Prozent sind nach den Vorstellungen des Bahnvorstands auch wieder nur mit Mehrarbeit, also weiteren Überstunden für die Kollegen, gespickt. Das sind Taschenspielertricks. Folglich scheint auch dieses "neue" Angebot des Arbeitgebers lediglich ein Aufguss des alten Kaffees zu sein.

Wie geht es weiter“
Heute werden wir, das sind der Hauptvorstand der GDL und die Tarifkommission, vom geschäftsführenden Vorstand über das aktuelle Bahnangebot informiert. Wir werden es bewerten und ihm dann vorschlagen, Verhandlungen darüber mit dem Arbeitgeber aufzunehmen oder eben auch nicht.

Und dann„
Das werden wir sehen. Ich meine, die Kollegen auf den Lokomotiven und die Zugführer stehen zu den Forderungen der GDL, wie sie beschlossen und verbrieft sind: Ein eigenständiger Tarifvertrag plus eine spürbare Lohnerhöhung müssen her. Und sie sind auch weiter bereit, dafür zu kämpfen.

Daraus folgt, weitere Streiks sind möglich, auch unbefristet“
Ich persönlich schließe das nicht aus. Denn ich meine - ohne dem Ergebnis von heute vorgreifen zu können - auf nebulöse Angebote des Arbeitgebers, die am Kern unserer Forderung nach einem eigenständigen Tarifvertrag vorbeigehen, können sich die Gremien unserer Gewerkschaft im Interesse der Mitglieder nicht einlassen. Etwas anderes könnte nur ein Außerordentlicher Gewerkschaftstag beschließen. Der ist nicht in Sicht.
Mit HANS-JOACHIM KERNCHEN
sprach Harry Müller