Schließlich wurde 2005 auch die staatliche Schule in der 700-Seelen-Gemeinde Tantow geschlossen.
Der lange Schulweg sei für ihre kleine Tochter ebenso wie für alle anderen Grundschüler aus der Umgebung "eine Zumutung", fand Maritta John. Zusammen mit einem Initiativkreis begann sie, das große leer stehende Schulgebäude in Tantow zur Gründung einer zwar staatlich anerkannten und weitgehend öffentlich finanzierten, aber eben privaten Bildungseinrichtung zu nutzen. Eine Idee, die sich in den vergangenen Jahren wachsender Beliebtheit erfreut, vor allem in den neuen Bundesländern - dort, wo wegen zurückgehender Bevölkerungszahlen immer mehr Schulen geschlossen werden.

Christliches Menschenbild
So gibt es mit Beginn des neuen Schuljahres am Montag 70 freie allgemeinbildende Schulen in Mecklenburg-Vorpommern, im benachbarten Brandenburg sind es sogar 104. Dabei sei die Schule in Tantow "quasi ein Grenzfall", erklärt Maritta John. Sie liegt zwar in Brandenburg, gehört aber als evangelische Schule zum Gebiet der Pommerschen Evangelischen Kirche.
Ihr persönlich sei es wichtig gewesen, eine Schule zu gründen, deren Konzept auf dem christlichen Menschenbild basiere, erzählt die Mutter zweier Kinder. "Aber das muss man nüchtern sehen. Ein Großteil der Eltern ist einfach nur froh, dass hier ein Schulbetrieb läuft." Dennoch sei zu merken, dass nach anfänglicher Skepsis die Akzeptanz der Schule in der Umgebung größer werde, bestätigt Pfarrer Sebastian Gabriel, der im vergangenen Schuljahr ehrenamtlich Religionsunterricht an der Schule gegeben hat.

Polnisch ab erster Klasse
Ab dem neuen Schuljahr wird es an der Schule, die mit ihren zehn Schülerinnen und Schülern der bisherigen ersten Klasse zu den kleinsten in der Bundesrepublik gehört, eine angestellte Religionspädagogin geben - und eine Polnischlehrerin. Denn dies ist eine weitere Besonderheit der Tantower Schule: Die ABC-Schützen lernen bereits ab der ersten Klasse Polnisch "als Begegnungssprache", wie Maritta John betont.
Die stellvertretende Vorsitzende des schulischen Fördervereins ist sich sicher, dass die Bildungseinrichtung in den nächsten Jahren regen Zulauf bekommen wird. "Ich mache mir keine Sorgen über Kindermangel, wir haben ein gutes Konzept", ist sie überzeugt.