Mindestens 8400 Menschen sind bislang an Ebola gestorben. Fast 22 000 haben sich infiziert. Doch nun keimt Hoffnung: Zum ersten Mal seit Ausbruch der Seuche wurden in den besonders stark betroffenen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone innerhalb einer Woche weniger als einhundert Neuerkrankungen registriert - auf dem Höhepunkt der Epidemie hatten sich dort wöchentlich bis zu 800 Menschen mit dem gefährlichen Virus neu angesteckt.

Die Nachbarstaaten Mali und Nigeria sind mittlerweile Ebola-frei. Maßstab dafür ist die Inkubationszeit der hoch ansteckenden Erkrankung, die mit Symptomen wie Fieber, Erbrechen und Durchfall beginnt. Sie beträgt 21 Tage. Treten innerhalb der doppelten Zeitspanne in einem Land keine neuen Fälle auf, wird Ebola dort als besiegt angesehen.

Walter Lindner, der gerade von seiner fünften Reise durch die betroffene westafrikanische Region zurückgekehrt ist, sieht gute Chancen, die Krankheit im nächsten halben Jahr auch in Guinea, Liberia und Sierra Leone in den Griff zu bekommen. "Anlass zur Sorge" ist für den 58-jährigen Diplomaten allerdings, dass man wegen der Fortschritte in der Region wieder nachlässiger gegenüber Ebola werden könnte. Zur Eindämmung der Ansteckungsgefahr waren in den drei Staaten beispielsweise Schulen und Universitäten geschlossen worden. In Guinea sind sie seit ein paar Tagen wieder in Betrieb. Liberia zieht in der kommenden Woche nach.

Da werde es auch zu "Rückschlägen" kommen, befürchtet Lindner. Umso wichtiger sei die "Nachverfolgung jedes einzelnen Falles". Gemeint sind die im Schnitt etwa 20 Personen, mit denen ein Ebola-Infizierter in Kontakt kommt. Würden sie nicht allesamt ausfindig gemacht und untersucht, steige das Risiko eines erneuten Ebola-Ausbruchs, so Lindner.

Mehr als 100 Leute vom Technischen Hilfswerk, vom Deutschen Roten Kreuz und von der Bundeswehr leisten laut Lindner wertvolle Unterstützung vor Ort. Besonders die von Deutschland eingerichtete Luftbrücke werde von den Menschen dort "enorm geschätzt". Die Transall-Maschinen befördern gut ein Dutzend mal pro Woche lebensnotwendige Fracht in die Epidemie-Gebiete. Da dort inzwischen zahlreiche Betten leer stehen, die zur Versorgung von Ebola- Patienten gedacht waren, werden zum Beispiel in der DRK-Station der liberianischen Hauptstadt Monrovia andere schwere Krankheiten wie etwa Malaria behandelt.

So wird aus der anfänglichen Nothilfe Schritt für Schritt eine Entwicklungshilfe. Allerdings dürfe das Geld dafür "nicht in falsche Kanäle" kommen, meinte Walter Lindner.

Ein anderes, vorerst noch ungeklärtes Problem ist nach seiner Darstellung das Schicksal Tausender Waisenkinder, die aus ihren Dörfern verstoßen worden seien. Lindner berichtete von einem vierjährigen Jungen, der durch Ebola seinen Vater sowie alle zwölf Geschwister verloren hat. Die Mutter sei ebenfalls infiziert und habe kaum eine Überlebenschance. Aus Angst vor der Ansteckungsgefahr würden solche Kinder nicht wie sonst in Afrika üblich von ihren Verwandten aufgenommen. Für Lindner steht damit auch die internationale Entwicklungshilfe vor neuen Herausforderungen.