Zunächst sitze ich am Computer und stelle Komponenten für eine Rezeptur zusammen. Das können 20 bis 80 Komponenten oder mehr sein. Wenn dann aus der Mischanlage die Komposition kommt, die ich mir vorgestellt habe, sind das Momente des Glücks. Zum Handwerk gehört zu wissen, welche Kombination welchen Effekt ergibt. Zum Beispiel riecht Zuckerwatte zusammen mit frisch gemähtem Gras nach Erdbeeren. Die künstlerische Seite ist, dass wir eine bestimmte Aura, eine Atomsphäre erzeugen. Wir Parfümeure sind im Grunde Illusionisten.

Sie mixen Düfte für Kunden in aller Welt. Wie unterscheiden sich die Vorlieben?
Die Vorlieben sind abhängig von dem, was Menschen in ihrer Kultur gelernt haben. Dabei spielen das Essen, also die Gewürze und die Getränke eine große Rolle. In Amerika zum Beispiel gibt es Zimtkaugummi und Zimtzahnpasta. Ein Hersteller hat die Zimtzahnpasta dann auch in Europa eingeführt, aber keiner wollte sie kaufen. Wir assoziieren Zahnpasta mit Minze. Woran das liegt, weiß ich nicht.

Sie müssen von Berufs wegen eine feine Nase haben. Leiden Sie unter Geruchsbelästigung?
Ich beobachte meine Umgebung ständig geruchlich, aber Gestank stört mich nicht. Als ich in Paris gelebt habe, bin ich gern Metro gefahren, obwohl es dort nicht immer angenehm riecht. Auch schöne Düfte haben Inhaltsstoffe, die richtig stinken, es kommt auf die Konzentration an.

Hat die Wissenschaft ihre Arbeit als Parfümeur beeinflusst?
Ich beobachte die Entwicklungen mit Interesse. So haben Forscher herausgefunden, dass bestimmte Stoffe andere blockieren können. Die Forschung bestätigt in diesem Punkt das, was wir Parfümeure aus der Praxis schon lange wissen.