"Ich weiß genau, wo die Probleme stecken, wenn man Deutsch als Zweitsprache lernt", sagt Katerina Rabe lachend mit einem leichten, weichen tschechischen Akzent. In ihrer Heimat hat sie ein Pädagogikstudium absolviert, Schwerpunkt: Deutsch als Fremdsprache. Ein Studentenaustausch brachte sie nach Deutschland, die Liebe ließ sie bleiben. Seit Februar unterrichtet sie an der Sachsendorfer Oberschule in Cottbus in einer ".Willkommensklasse".

Sechs Jungen und ein Mädchen sitzen an diesem Vormittag vor ihr. Halbwüchsige syrische Flüchtlingskinder. Es geht um Präpositionen, auf Deutsch Vor-oder Verhältniswörter.

Sprache plus Alltagswissen

Jeder muss ein Übungsblatt ausfüllen, dann wird gemeinsam ausgewertet. Katerina Rabe lässt Fragen und Antworten vorlesen. Sie passt dabei genau auf, dass alle Schüler einbezogen werden. Keiner kann sich wegducken, jeder kommt dran.

"Wo ist der Briefkasten?" - "Um die Ecke." Und Katerina Rabe fragt gleich nach, was ist ein Briefkasten, was ist eine Ecke? Pasa, ein aufgeweckter Junge mit gegeltem Haar, steht auf und geht zur Zimmertür, um eine "Ecke" zu zeigen.

Später hält die Lehrerin Tafeln mit Zeichnungen hoch, fragt, was das ist und nach dem richtigen Artikel: "Wie heißt es, das Baby oder der Baby?" Für richtige Antworten gibt es viel Lob. Zur Ausrüstung der Klasse gehören spezielles Lehrmaterial und Wörterbücher in vielen Sprachen.

Rabe betreut zusammen mit ihrer Kollegin Annett Varchmin die Willkommenskurse an der Schule. "Wir gehen mit den Schülern auch mal einkaufen", sagt Varchmin. In einer Unterrichtsstunde wurde gemeinsam ein Obstsalat angerichtet und jeder Handgriff sprachlich begleitet.

Das Schwierigste, so Katerina Rabe, sei das unterschiedliche Ausgangsniveau der Schüler. Manche beherrschten zum Beispiel schon lateinische Buchstaben, andere nicht. "Wir müssen uns auf das Eingangsniveau jedes Schülers einstellen", so Rabe. Das könne manchmal drei Vorbereitungen für eine Schulstunde bedeuten.

Einzelgespräch mit Eltern

Für Gespräche mit den Eltern sei immer ein Dolmetscher nötig, so Annett Varchmin. Wenn sie russisch sprechen, übersetzt eine Kollegin. "Die kommen wegen der Sprachhürde nicht zur Elternversammlung, aber zu Einzelgesprächen", erklärt die Lehrerin. Die Eltern der Flüchtlingskinder seien an deren Fortkommen in der Schule interessiert.

Große Sprachfortschritte machten die Kinder in der Regel dann, wenn auch die Eltern einen Sprachkurs absolvierten und die Familien aus den Gemeinschaftsunterkünften heraus in Einzelwohnungen mit deutschen Nachbarn ziehen. Gerade nach den Ferien sei bei Kindern, die intensiveren Kontakt zu gleichaltrigen Deutschen haben und schon in eine Regelklasse gewechselt sind, oft ein richtiger Sprachschub zu erleben. "Solche Fortschritte zu sehen, ist einfach schön", so Katerina Rabe.