Auf dem grau verputzten Haus am Rande von Bohsdorf leuchten neue Dachsparren in der Nachmittagssonne. In wenigen Tagen sollen die Dachziegel drauf kommen, die jetzt noch auf Paletten neben dem Gebäude stehen. Das Hausinnere ist bis auf die Wände leer. Auf dem Hof erinnert ein Haufen verkohlter Metall- und Holzreste noch immer an die Katastrophe, die sich vor acht Monaten hier ereignete. Am späten Abend des Ostermontags brach im Erdgeschoss Feuer aus.

Margret und Werner Finke wurden gerettet, auch ihre Enkelsöhne Dustin und Nico sowie Nicos Vater, der Lebensgefährte von Simone Finke, der damals 42-jährigen Tochter von Margret und Werner. Sie starb im Krankenhaus an einer schweren Rauchvergiftung.

Hilfe und Unterstützung

Seit drei Wochen wird nun auf dem Grundstück der Familie Finke wieder gebaut. Werner Finke, 65 Jahre alt und gelernter Schlosser, packt kräftig mit an. Auch der 22-jährige Enkel Dustin arbeitet mit. "Wir waren uns bald einig, dass wir das Haus wieder aufbauen", sagt Werner Finke. Auch Dustin, der zurzeit in einer kleinen Wohnung nicht weit entfernt lebt, will wieder einziehen. Dass die Erinnerung an die Brandkatastrophe und den Tod der Mutter und Tochter in dem Haus präsent bleiben wird, ist der Familie bewusst. "Wir werden lernen müssen, damit zu leben", sagt Dustin Finke.

Mut für einen Neuanfang gab ihnen auch die große Hilfsbereitschaft von Menschen aus Bohsdorf und darüber hinaus. In einer Ferienwohnung über dem Gasthaus kamen die durch den Brand Obdachlosen zunächst unter. Ein Pflegeheim nahm Margret Finke, die im Rollstuhl sitzt, auf. Es gab viele Sach- und Geldspenden. Auch die "Wir helfen"-Aktion der Lausitzer Rundschau unterstützte die Familie mit einer vierstelligen Summe.

"Das hat uns geholfen, die Beerdigung von Simone zu finanzieren und für Dustin eine Wohnung einzurichten", so Werner Finke. Der zwölfjährige Nico lebt mit seinem Vater inzwischen in einer Mietwohnung im Dorf. Werner Finke selbst hat sich im Sommer mit seiner Frau in einem winzigen Gartenhaus im hinteren Teil des Grundstückes einquartiert. Zwischen das Pflegebett von Margret Finke und das Sofa, auf dem ihr Mann schläft, passt nur ein kleiner Tisch. Wärme spendet eine transportable Elektroheizung. "Zum Glück blieb unsere Sommerküche nebenan unversehrt", so Werner Finke.

Das Pflegeheim für seine Frau hätten sie nicht lange finanzieren können, ohne dafür das Geld der Hausratversicherung anzugreifen. Doch das bräuchten sie ja, wenn das Haus wieder bewohnbar sei, um es einzurichten. Auch sei seine Frau einsam gewesen im Pflegeheim unter fast nur hochbetagten Bewohnern.

Viele Behördengänge

Inzwischen sei auch die Auszahlung der Gebäudeversicherung geklärt, sodass mit dem Wiederaufbau begonnen werden konnte. Ein halbes Jahr vor dem verheerenden Feuer hatten Werner und Margret Finke das Haus ihrer Tochter Simone übereignet, mit der Klausel der Rückübertragung, falls sie vor ihren Eltern stirbt. Die Gebäudeversicherung wartete mit der Auszahlung, bis die entsprechenden Formalien mit Gängen zu Ämtern und einem Notar erledigt waren. Seit wenigen Tagen hält Werner Finke nun den neuen Grundbuchauszug in der Hand.

Baldiger Einzug geplant

Die Erinnerung an seine Tochter sei überall präsent. "Simone war die gute Seele des Hauses", sagt Werner Finke und kämpft mit den Tränen. Das Gartenhaus, in dem er mit seiner Frau jetzt provisorisch wohnt, sei ihr "Bastelstübchen" gewesen.

Auch Dustin wird wortkarg, als das Gespräch auf seine verstorbene Mutter kommt. Die endlich begonnenen Bauarbeiten seien eine gute Ablenkung, sagt er nur. Jetzt gehe es darum, dass das Haus so schnell wie möglich wieder bezugsfertig werde, damit die Großeltern aus dem Gartenhaus herauskämen.

"Ich hätte ja gehofft, dass wir das bis Weihnachten schaffen", sagt Werner Finke, "aber das war wohl sehr optimistisch." Am Zupacken des 65-Jährigen wird der Baufortschritt jedoch nicht scheitern, wenn man der Einschätzung seines Enkels glaubt: "Still sitzen kann der nicht."