Damit ist ein alter Streit neu entfacht. Nach einem Beschluss der Bundesregierung darf jeder Landwirt im Bedarfsfall nur noch bis zu 90 Prozent der Zahl ausländischer Feldarbeiter im Vergleich zum Vorjahr beschäftigen. Die restlichen zehn Prozent sollen durch einheimische Kräfte gedeckt werden. Rund 325 000 Erntehelfer aus osteuropäischen EU-Staaten waren 2005 bei der Spargel- oder Obsternte auf deutschen Feldern im Einsatz. Tatsächlich hat die BA in diesem Jahr elf Prozent weniger Arbeitsgenehmigungen erteilt. Doch die Lücke von etwa 30 000 Arbeitskräften kann nicht durch deutsche Erwerbslose geschlossen werden. Die Landwirte hätten alles versucht, um deutsche Saisonarbeiter zu integrieren, aber keine ausreichende Zahl gefunden, klagte kürzlich Bauernpräsident Gerd Sonnleitner. In der Folge sei es zu Ernteausfällen und Vermarktungsproblemen gekommen. In der Lausitz und der Elbe-Elster-Region sehen sich Landwirte durch die Quotenregelung zusätzlich belastet. Sie hätten in den zurückliegenden Jahren bereits mehr deutsche Erntehelfer beschäftigt als Landwirte in anderen Bundesländern wie Bayern, kritisieren sie.

Landwirte mit "Vorbehalten"
In der Nürnberger BA-Zentrale verweist man lieber auf gelungene Beispiele, die aber kaum Schlagzeilen lieferten. "In vie len Regionen hat sich die Regelung bewährt", sagte eine Sprecherin der RUNDSCHAU. Bei manchen Landwirten gebe es auch "Vorbehalte". Schon im vergangenen Winter hatte die Bundesagentur ihre "Kunden" gezielt auf eine zeitweilige Feldarbeit angesprochen. So kam es zu einem Pool von rund 40 000 Interessenten. Beim Bauernverband herrschen jedoch Zweifel, ob diese Zahl wirklich auf freiwilliger Basis beruht. Schließlich müssten die Betroffenen bei Arbeitsverweigerung Sanktionen befürchten. Durch das Hartz-Fortentwicklungsgesetz wurden die Strafen noch einmal verschärft. Wer eine angebotene Tätigkeit ablehnt, muss mit einer Kürzung des Arbeitslosengeldes II um 30 Prozent rechnen. Bei einer dreimaligen Verweigerung kann die Leistung einschließlich Unterkunftskosten komplett gestrichen werden.

Schwere Arbeit und schlechtes Wetter
"Zurzeit untersuchen wir, was gut und was weniger gut klappt", sagte die BA-Sprecherin. Eine umfassende Analyse wird es freilich erst zum Jahresende geben. Die Obsternte läuft gerade, während die Winzer im Herbst zum Zuge kommen. Die Erfahrungen der Spargel- und Erdbeerbauern sind jedoch ernüchternd. Nach einer Erhebung des Bauernverbandes wurden für diesen Bereich 2064 Arbeitskräfte beantragt. Zu den Vorstellungsgesprächen waren aber nur 1405 Personen erschienen. 602 erhielten einen Arbeitsvertrag. 589 hatten ihren Job angetreten. Doch innerhalb einer Woche sprangen 267 Personen wieder ab. Als Begründung wurden die Schwere der Arbeit, gesundheitliche Probleme und schlechtes Wetter angegeben. Der Bauernverband kämpft deshalb für eine Abschaffung der Quotenregelung.
Für den Arbeitsmarktexperten der Union, Ralf Brauksiepe, ist das keine Lösung. Die geltende Festlegung biete eine flexible Handhabung. "Natürlich dürfen wir die Beschäftigungsprobleme nicht auf dem Rücken der Landwirte austragen. Aber bei über vier Millionen Arbeitslosen ist es den Versuch wert, 30 000 Erntehelfer zu finden", sagte Brauksiepe der RUNDSCHAU. Zugleich stärkte er BA-Chef Weise den Rücken: "Wenn sich jemand der Erntearbeit verweigert, stellt sich in der Tat die Frage der Arbeitswilligkeit." Für Sanktionen seien die gesetzlichen Möglichkeiten vorhanden. Sie müssten nur konsequent angewendet werden.