Kathrin Schneider war gut zwei Jahre lang Staatssekretärin unter Minister Jörg Vogelsänger (SPD). Als Verwaltungschefin hatte sie den Apparat von 6000 Mitarbeitern des Infrastrukturministeriums zu leiten. Jetzt ist die in Dürrenhofe (Dahme-Spreewald) beheimatete Raumordnungsexpertin selbst Ministerin in dem neu zugeschnittenen Ressort. Regierungschef Dietmar Woidke (SPD) hatte sie im Zuge der Kabinettsbildung zu einem Gespräch gebeten, erzählt die 52-Jährige im Redaktionsgespräch bei der RUNDSCHAU. "Ich habe nicht gezögert Ja zu sagen auf die Frage, ob ich das Ministeramt übernehmen würde."

Es sei durchaus ein Vorteil, das Ministerium und seine Aufgaben bereits gut zu kennen, um zügig neue Akzente zu setzen. So beschreibt Schneider ihre Amtsführung mit dem Denken und Planen in räumlichen Strukturen. Es seien die transeuropäische Vernetzung ebenso zu berücksichtigen wie die Metropolregion Berlin und deren Zusammenwirken etwa beim Bau und der Erhaltung von Landes- oder Kommunalstraßen. "Dieses neue Denken möchte ich in die Belegschaft tragen", betont die Ministerin und nennt Beispiele.

Dass es im Berliner Speckgürtel schon 30 Städte gebe, die Wohnraumnot haben, müsse auch dazu führen, "dass wir in Brandenburg Angebote machen". Von Lübben aus sei man in 50 Minuten auf dem Berliner Alex. Dieser Anfahrtweg zur Arbeit sei innerhalb der Hauptstadt nicht unüblich. "Wir müssen über unser Potenzial, für bezahlbaren Wohnraum sorgen zu können, mit den Berlinern sprechen", betont die Ministerin. "Wir würden uns gegenseitig helfen, Fachkräfte in der Region zu halten."

Die neue Herangehensweise dürfte sich auch bei der Vergabe der Mittel aus dem Investitionsfonds der rot-roten Landesregierung zur Sanierung von Straßen im Land widerspiegeln. "Die Liste der Forderungen von Bürgermeistern hat schon längst die finanziellen Möglichkeiten überschritten", erläutert Schneider. Prioritäten werde sie setzen, indem wirtschaftliche Entwicklung und Daseinsvorsorge im Mittelpunkt stehen.

Die Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung lässt aber auch keinen Zweifel, dass die finanziellen Spielräume begrenzt seien. Vor diesem Hintergrund "müssen Standards auf den Prüfstand". Beim Ausbau von Straßen auf die üppig ausgelegten Überflieger zu verzichten, sei eine Konsequenz.

Es müsse auch die Frage neu gestellt werden, ob jede Straße einen Fahrradweg braucht. "Erhalt geht vor Neubau" - das treffe inzwischen auch auf die touristische Infrastruktur im Land zu.