Herr Bauer, vor zehn Jahren wurde in Görlitz das Schlesische Museum eröffnet. Wie entstand diese Idee?
Bereits seit Mitte der 1970er-Jahre existierten Pläne, ein zentrales Museum für Schlesien auf dem Boden der Bundesrepublik Deutschland zu errichten. Hildesheim war unter anderem im Gespräch, denn Niedersachsen gilt als Patenland der Schlesier. Dort fanden viele Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg ihre neue Heimat. Aufgrund fehlender Gelder wurde das Projekt auf Eis gelegt. Nach der deutschen Wiedervereinigung gab es einen erneuten Anlauf und den Wunsch in eine Stadt zu gehen, die einst zur Provinz Schlesien gehörte. So begann für Görlitz die Geschichte des Schlesischen Museums.

Sie und Ihre Mitarbeiter konnten auf keinerlei Exponate zurückgreifen. Wie bauten Sie sich den Sammlungsbestand auf?
Die ersten Jahre beschäftigten wir uns damit, Objekte zu finden. Dabei unterstützte uns eine Stiftung, die vom Bund, dem Freistaat Sachsen, der Stadt Görlitz und dem Vertriebenenverband Landsmannschaft Schlesien gegründet wurde. Bei der Beschaffung der Ausstellungsstücke sind wir zwei Wege gegangen: Wir bemühten uns um Dauerleihgaben anderer Museen, wie auch des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg. Dort gab es einen großen Fundus, der heute den Grundstock unseres Museums darstellt.

Welche Rolle spielen private Stücke?

Wir haben Kontakt zu privaten Sammlern aufgenommen. Die vertriebenen Schlesier haben häufig beeindruckende Erinnerungen zusammengetragen. Das ist kein Wunder, wer einmal alles verliert, hängt umso mehr an seiner Geschichte. So konnten wir unter anderem Porzellan, Glas und Eisenguss aus Schlesien aufnehmen. Gleichzeitig wissen die Sammler, bei uns sind ihre Schätze gut aufgehoben. Nach zehn Jahren können wir sagen, dass wir mit unseren repräsentativen und großen Beständen die wichtigsten Tendenzen der schlesischen Kultur zeigen können.

Wie geht es mit dem Schlesischen Museum weiter?
Wir müssen Angebote für neue Besucher schaffen. Derzeit kommen etwa 25 000 Gäste pro Jahr zu uns. Anfangs waren das häufig Leute, die das Land Schlesien noch kannten und im Herz getragen haben. Diese Gruppe wird immer kleiner, stattdessen kommen nun Kulturtouristen, die sich für den Landstrich und oft für die Heimat ihrer Vorfahren interessieren. Aus diesem Grund wollen wir gern unsere Sammlung erweitern und einen Blick in die Gegenwart und die jüngere polnische Geschichte wagen. Derzeit endet unsere Ausstellung mit der Vertreibung 1945. Darüber hinaus wünsche ich mir, dass in Görlitz ein bundesweites Kompetenzzentrum Schlesien entsteht und Einrichtungen, wie das Kulturwerk Schlesien in Würzburg, an die Neiße ziehen. Der Gesprächs- und Kooperationsbedarf ist auf polnischer Seite sehr groß. Wir brauchen hier viele Partner. Mit Markus Bauer

sprach Miriam Schönbach