Am Dienstagnachmittag sah das noch ganz anders aus. In der Straße gab es einen Übergriff von Jugendlichen auf Polizeibeamte. Bis zu 100 Personen ausländischer Herkunft waren zusammengeströmt, nachdem die Polizisten zwei Zwölfjährige festgenommen hatten. Aus der Menge heraus hatten einige von ihnen auf Beamte eingeschlagen. Zwei Polizisten wurden bei dem Vorfall verletzt. Im Wrangelkiez sorgt das für Gesprächsstoff. "Das hätte nicht passieren dürfen", sagt Murat Yüksel, der in der Wrangelstraße einen Lottoladen betreibt. Aber so wie es in den Zeitungen dargestellt werde, sei es auch nicht gewesen. "Die Beamten sollen provoziert haben", hebt Yüksel hervor, der während des Geschehens von Bekannten "ständig auf dem Laufenden gehalten" wurde. Die Beamten hätten den Zwölfjährigen Handschellen angelegt und sie mit ihren Gesichtern zur Wand gestellt. So etwas dürfe nicht passieren. "Ein 23-Jähriger, der versucht hat, die Jungs zu befreien, soll nach der Festnahme drangsaliert worden sein", fügt Yüksel hinzu. Jetzt trage der Türke eine Halskrause. Der Ladenbetreiber betont, dass nicht die ausländische Herkunft der Jugendlichen das Problem sei, sondern ihre sozialen Probleme. Die kriminellen Energien entstünden, weil sie herumlungerten und nicht gefördert würden.
Anneliese Kleinschmidt vom Blumenparadies in derselben Straße versteht die aktuelle Diskussion nicht. "Ich kannte die jungen Menschen bereits, als sie noch Pampers trugen", sagt die Geschäftsfrau, die sich noch nie bedroht fühlte. Die Mitarbeiter des hiesigen Supermarktes sehen das jedoch ganz anders. "Wir haben eigentlich jeden Tag Angst", sagt ein Verkäufer, der seinen Namen nicht nennen möchte. Wenn er die Polizei alarmiere, benötigten die Beamten stets zwischen 30 und 40 Minuten, bis sie einträfen.
Leute mit Drogenproblemen und Jugendbanden machten ihm viel Ärger. "Die haben einfach nichts zu tun und wissen, dass sie, egal was sie tun, keine Konsequenzen fürchten müssen", betont der Mann. Ein Kunde ergänzt die empörten Aussagen des Verkäufers: "Jemand muss die schnell von der Straße holen."
Viele der Geschäftsleute, die ihre kleinen Läden im Wrangelkiez betreiben, ärgern sich über das Gerede von der entstandenen Gettogegend. "Es passiert nicht ständig was", versichert Birgit Bast, die eine Wäscherei betreibt. "Wir leben doch nicht im Getto." Von Bandenkriegen habe sie noch nichts mitbekommen.