Frau Schneider, werden an den Lausitzer Halten des RE 2 künftig noch Züge halten?
Wir schließen keine Bahnhöfe. Die geplante Einschränkung von Bahnhalten ist eine temporäre Lösung für zwei Jahre: Der RE 2 muss stabilisiert werden. Das hängt einerseits mit der Streckenauslastung zusammen, aber auch mit der Pünktlichkeit: Der Zug ist nur zu 85 Prozent pünktlich. Das geht so nicht. Den Zug nutzen durchschnittlich 6500 Fahrgäste am Tag, die ihre Arbeitsplätze und den Fernverkehr in Berlin erreichen wollen.

Einer der Bahnhöfe ist der Bahnhof Brand, wo das Tropical Islands liegt. Wie sollen die Gäste da künftig hinkommen?
Wir haben abgewogen zwischen dem Halt in Brand, dem Halt in Raddusch, Kolkwitz und Kunersdorf. Wenn man sich die Zahlen anguckt, dann sieht man, dass in Kolkwitz und Kunersdorf 70 Leute am Tag ein- und aussteigen, in Raddusch 140 und in Brand 600. Wenn ich dann weiter die Investitionen und Arbeitsplätze in Brand, bei Tropical Islands, sehe, dann ist das Ergebnis der Abwägung: Wir lassen den Halt in Brand.

Was passiert mit den anderen Halten?
An den anderen drei Bahnhöfen müssen wir die Bahnbedienung einschränken. Dort werden künftig frühe Züge halten, späte Züge halten und es wird der kürzlich eingeführte, nicht im Takt verkehrende Verstärkerzug des RE 2 halten. Zu den übrigen Zeiten sollten diese Haltepunkte durch Busse bedient werden. Pendler haben also die Möglichkeit, früh mit dem Zug nach Berlin und abends zurückzufahren. Für die übrigen Reisenden wollen wir das Buskonzept in Zusammenarbeit mit den Landkreisen so gestalten, dass sie etwa mit dem Bus von Raddusch oder Kolkwitz nach Lübbenau oder Cottbus zum Zug fahren können. Es muss möglich sein, die bestehenden Busverbindungen so zu takten, dass das klappt.

Ein Dauerthema ist die Frage nach dem zweiten Gleis.
Wir brauchen dieses zweite Gleis, wir haben das im Bundesverkehrswegeplan angemeldet. Aber das ist eine Investition von geschätzt dreißig bis vierzig Millionen Euro, die wird nicht über Nacht vom Himmel fallen. Deswegen müssen wir schauen, ob wir vorher etwa ein Begegnungsleis bauen, das dann eben die Möglichkeit erzeugt, dass man sich nicht nur im Bahnhof Vetschau begegnen kann, um den Zugverkehr zu stabilisieren. Dazu wollen wir mit DB Netz und dem VBB eine Studie auferlegen.

Müssen Regionalzüge von Cottbus bis Wismar fahren?
Es gibt eine lange Debatte dazu: Dass wir so lange Linien fahren, hängt einerseits damit zusammen, dass uns der Bund vom Fernverkehr nahezu vollständig abgehängt hat. Andererseits müssen wir uns überlegen, ob wir in Berlin wirklich wieder lauter Kopfbahnhöfe haben wollen. Das macht auch wenig Sinn. Das große Problem ist die Berliner Stadtbahn - dort müssen die Züge pünktlich ankommen, dort müssen sie pünktlich durch und hinten wieder heraus. Und daran kann niemand etwas ändern: Damit der RE 2 funktioniert, muss er pünktlich in Berlin sein. Das gibt uns die Stadtbahn vor.

Mit Kathrin Schneider

sprach Benjamin Lassiwe