An den Stellen, wo nur noch Baumstümpfe blieben, wurde eine Kerze aufgestellt.Etwa 100 Einwohner hatten sich zum Elster-Damm-Spaziergang am Samstag in Elsterwerda eingefunden.Sogar aus Herzberg und Umgebung sind einige Bürger nach Elsterwerda gekommen. Sie hatten vor Jahren mit einer ähnlichen Initiative am Schwarzen-Elster-Damm bei Arnsnesta auf einen sinnvollen Hochwasserschutz gedrängt und nochmals ein Nachdenken über die Baumfällungen erreichen können.
„Das sieht doch furchtbar aus“ , ruft einer mit Blick auf die ersten „enthaupteten“ Eichen auf dem Deich. Vor allem den älteren Leuten, die quasi mit den Bäumen aufgewachsen sind, geht der Anblick nahe.
„Ich habe seit über 70 Jahren hier gelebt“ , sagt Werner Adler. „Aber was sich jetzt hier abspielt, ist noch nie dagewesen.“ Sein Bruder Günter pflichtet ihm bei: „Seit der Wende hören wir nur noch Motorsägen. Mit Hochwasserschutz hat das doch nichts zu tun.“ Man sei nicht dagegen, dass dort wo es notwendig ist, auch Bäume gefällt werden, meint Wolfgang Gork. „Aber das sollte mit Maß passieren.“
Wut, Unverständnis und Trauer scheint die Menschen an diesem Sonnabendnachmittag an den Elsterdamm getrieben zu haben. Man macht sich Luft, schimpft, lässt Dampf ab - auch wenn manche der Demo-Teilnehmer meinen, eigentlich nichts mehr ändern zu können. Maria gr. Darrelmann von der Bürgerinitiative sieht das allerdings anders. „Es ist noch nicht zu spät“ , sagt sie vor. „Der Landrat wird noch mit uns rechnen müssen.“ Es gehe nicht darum, ob der Schutz des Menschen vor den Schutz der Natur gehe. „Das gehört für uns vielmehr zusammen.“
Was derzeit unter dem Deckmantel des Hochwasserschutz passiere passiere, nehme Schritte vorweg, die erst viel später erfolgen müssten, dann nämlich, wenn Schwachstellen an den Deichen fest stünden und Maßnahmen aus dem Generalplan Schwarze Elster abgeleitet seien, der erst seit wenigen Wochen vorliege. Während sie auf den Vorgang bei der Genehmigung der Abholzungen verweist - der Kreistag wurde erst gefragt, nachdem bereits die ersten Bäume gefällt waren - ruft es aus der Masse: „Skandal“ .
Förster Ralf Bekker verweist auf den Lebensraum, der vielen geschützten Arten durch die Abholzung genommen wird. „Wir befinden uns hier in einem Fauna, Flora, Habitat-Gebiet, einem Gebiet also, das für den Naturschutz von europäischer Bedeutung ist.“ Durch die ersten Fällungen Ende vergangener Woche sei unter anderem der Horst des geschützten Mäusebussards zerstört worden.
Während die Gruppe auf dem Deich entlang der abgeholzten Bäume bewegt, werden Kerzen angezündet, Blumen, Transparente und Trauerflor an den Stümpfen angebracht. „100 Jahre haben die hier gestanden“ , sagt ein älterer Mann. „Und dabei haben sie auch schon einige Hochwasser unbeschadet überstanden.“