"Wir gehen nach Süden, nach Wafra", sagt Kameltreiber Marsuk. "Wir werden drei oder vier Tage brauchen, vielleicht mehr." In der Gegenrichtung rumpeln Kettenfahrzeuge und Lastkraftwagen in Tarnanstrich mit Soldaten, Kanonen und Material nordwärts.
In Vorbereitung für einen möglichen Angriff gegen den Irak hat die kuwaitische Regierung alle Zivilpersonen aufgefordert, bis heute die nördlichen zwei Drittel des Emirats zu räumen, sodass dort über 130 000 amerikanische und britische Soldaten letzte Vorbereitungen treffen können. Nur wenige tausend, zumeist asiatische Gastarbeiter, die auf Farmen, in Restaurants, Tankstellen oder Öl-Förderanlagen arbeiten, dürfen ab heute nur mit Sonderausweisen bleiben oder das Sperrgebiet betreten.
Kuwaitische Grenzpolizisten am Checkpoint Abdali an der entmilitarisierten Zone zum Irak geben sich gelassen. "48 Stunden vor Kriegsbeginn werden wir Befehl erhalten, uns nach Kuwait-Stadt zurückzuziehen", sagt Polizei-Oberfeldwebel Chaled Abdul Asis in dem verlassenen, windgepeitschten Außenposten, von dem aus man am Horizont die Gasfackeln der irakischen Förderanlagen sehen kann. "Danach ist die Grenze in den Händen des Militärs."
Nur ein paar Kilometer südlich der von UN-Kräften patrouillierten entmilitarisierten Zone zum Irak haben Hunderte von Kleinbauern ihre Parzellen. In ihren baumbestandenen Gärten bauen sie mit Hilfe von Grundwasser Erdbeeren, Tomaten, Gurken, Brokkoli, Kohl und Klee an. Der Kontrast der grünen Gärten zur Wüste könnte nicht stärker sein.
"Wir fühlen uns hilflos - nicht nur wir Kleinbauern, sondern alle Kuwaiter", sagt Abdullah el Ansari, der mit drei Brüdern eine kleine Farm sieben Kilometer südlich der Grenze bewirtschaftet. "Uns ist, als ob die Westmächte politisches Schach spielen und wir sind dabei die Bauern. Sie suchen nur ihren eigenen Vorteil. Vielleicht haben sie diesen Krieg schon vor Jahren geplant."
"Ich werde meine acht Arbeiter so lange es geht hier behalten", fährt Ansari fort. "Aber wenn der Krieg kommt, gehen wir und nehmen so viele Tiere mit wie möglich." Ansari hat vier Kamele, ein paar Dutzend Ziegen, rund 200 schnatternde Gänse, Enten und Truthähne und viele Tauben. "Wenn ich sie nicht alle einfangen kann, streue ich Futter für sie aus und dann liegt es in Allahs Hand."
Weiter unten an der Straße stoppen Gäste für einen letzten Besuch bei Jussef el Jassim, zu dessen weitläufigem Besitz eine Fischfarm mit über 650 000 Tilapias gehört. Auf der Farm werden auch Goldkarpfen aus Singapur gezüchtet, für 100 bis 140 Dollar pro Fisch. Ein Krieg würde die Arbeiter von dieser einzigartigen Farm vertreiben und die Fische würden verenden, sagt Gastarbeiter Hassan Ahmed aus Bangladesch.
Zu den Hunderten - meist Kuwaitern -, die in den vergangenen Tagen ihre Wochenend-Zelte im Grenzgebiet abgebaut haben, gehört auch der Brite Jim Millar, ein Logistik-Experte der Reederei United Arab Shipping Company. "Mich macht das Ganze traurig, aber die Dinge liegen nun einmal außerhalb unseres Einflusses", sagt er, während er seine beiden Zelte in seinen Geländewagen packt.
Wie Millar fahren jede Menge Pickups, Transporter und Campmobile südwärts, beladen mit Zelten, Luftmatratzen, Fahrrädern, Gaskochern, Töpfen und Satellitenschüsseln. "Wer weiß, wann wir je wieder hierher kommen können", murmelt er.