Herr Kruschat, in Brandenburg sollen neue Geflügelmastanlagen mit fast einer Million Stallplätzen entstehen. Wie bewerten Sie das?
Das ist die Entwicklung, vor der wir die ganze Zeit gewarnt haben. Die hohe Zahl der Stallplätze ist besorgniserregend, gerade weil in der Geflügelhaltung sehr viele Antibiotika eingesetzt werden. Wir wollen in Brandenburg keine Verhältnisse wie in Niedersachsen, sondern eine der Umwelt angepasste Tierhaltung.

Vertreter der konventionellen Landwirtschaft stellen die in der vergangenen Woche bekannt gewordenen Zahlen zum gestiegenen Antibiotikaverbrauch in Nordbrandenburg infrage. Sie verweisen darauf, dass es sich dabei um eine einzelne, auf Schweine spezialisierte Tierarztpraxis handele, die von Nordbrandenburg aus in mehreren Regionen Deutschlands aktiv sei.
Eine Betrachtung der Antibiotika nach der Ausgabemenge bei Tierärzten macht überhaupt keinen Sinn, weil man die Einsatzmengen in der konkreten Anlage betrachten muss. Wird ein überdurchschnittlicher Einsatz von Antibiotika in einer Anlage festgestellt, muss ein Maßnahmeplan erarbeitet werden, der den Einsatz beschränkt. Dies muss natürlich auf den einzelnen Stall bezogen sein. Es zeigte sich, dass in der Vergangenheit viele Tierhalter der Meldepflicht noch nicht nachgekommen waren. Ich habe große Zweifel, dass diese Regelung zur wirksamen Eindämmung der Antibiotikanutzung in der Tierhaltung führt.

Überall in Brandenburg hängen die Plakate des Volksbegehrens zur Massentierhaltung. Unsere Leser fragen sich, wer das eigentlich finanziert . . .
Das Volksbegehren finanziert sich einerseits durch Beiträge der Organisationen, die es unterstützen, etwa des BUND. Andererseits finanzieren wir uns über Spenden, die wir beispielsweise über unsere Homepage oder auf Online-Portalen wie betterplace.org sammeln. Momentan arbeiten wir zu 50 Prozent mit Spenden und zu 50 Prozent mit den Beiträgen der Unterstützerorganisationen.

Wie ist der aktuelle Stand?
Ich bin optimistisch: Wir können es schaffen. Der Rücklauf, den wir etwa bei den Formularen für die Briefwahl haben, lässt mich optimistisch sein. Aber wir müssen jetzt noch einen Endspurt hinlegen.

Wie soll der aussehen?
Wir werden alle, die über uns die Briefwahlunterlagen angefordert haben, noch einmal daran erinnern, dass diese Unterlagen auch eingesandt werden müssen, damit sie zählen. Wir werden nachforschen, wenn irgendwo Unterlagen nicht eingetroffen sind. Und wir fordern alle, die uns unterstützen wollen, dazu auf, in diesem Jahr auch unter dem Weihnachtsbaum Stimmen gegen die Massentierhaltung zu sammeln. Sehr wichtig wird dabei sein, dass jetzt die vielen Tausend Brandenburger, die Briefwahlunterlagen bestellt haben diese auch wieder zurückschicken. Erst dann zählt die Stimme wirklich.

Mit Axel Kruschat

sprach Benjamin Lassiwe