„Bei der HIV-Therapie ist unglaublich viel erreicht worden. Wir haben mittlerweile mehr als 20 hochwirksame Medikamente, die auch kurzfristig die Viruslast senken“ , erläuterte Brockmeyer. Damit lasse sich das Immunsystem sowohl qualitativ als auch quantitativ stärken: „Diese Therapie hat dazu geführt, dass HIV-Patienten eine Lebenserwartung haben, die vergleichbar ist mit jener anderer chronisch Kranker. Daran hätte bis vor zehn Jahren niemand geglaubt.“ Zudem nutzten die Resultate der Aidsforschung auch, um andere Viren zu bekämpfen, etwa Hepatitis B und C.
Ein Impfstoff hingegen, der eine zuverlässige Immunität gegen den Erreger von Aids schaffe, zeichne sich derzeit nicht ab. Immerhin hätten Fehlschläge dazu geführt, dass im Labor neue Strategien erprobt würden, etwa jene, das Virus mit molekularen Scheren wieder aus dem Erbgut der Infizierten herauszuschneiden. Ein Impfstoff wäre Brockmeyer zufolge bereits dann ein Erfolg, wenn er in den besonders betroffenen Ländern nur die Hälfte der neuen Infektionen verhinderte. „Ich glaube, dass wir in den nächsten 20 Jahren dahin kommen werden“ , sagte der Mediziner.
Die reichen Länder sieht Brockmeyer in besonderer Verantwortung: „Wir brauchen weltweit für alle Patienten eine Therapie.“ Nötig seien zwei sich ergänzende Strate gien: Aufklärung und Behandlung. Beides verhindere neue Infektionen und sei zusammen sehr wirksam, sagte Brockmeyer. In Deutschland koste jede Neuinfektion in den Folgejahren mehrere Hundertausend Euro: „Das heißt, wir sparen, wenn wir gute Präventionsarbeit leisten.“
Um auch international sichtbar zu werden, sollte Deutschland die Aidsforschung im eigenen Land stärken. „Es reicht nicht, nur Geld in den Global Fund zu geben.“ Der deutsche Bundesadler sollte als Qualitätsmerkmal im Ausland deutlich sichtbar werden, etwa bei der direkten Förderung von Organisationen, Krankenhäusern oder Studien. „Das machen andere Länder wie Frankreich, Schweden und die USA besser.“ (dpa/das)