Herr Leydecker, warum trinken Jugendliche so exzessiv?
Weil es trendy ist. Vor allem unter Zwölf- bis 15-Jährigen ist es super angesagt. So wie Ende der 90er-Jahre zum Disko-Besuch Ecstasy gehörte und Anfang 2000 das Kiffen, sind es heute Mixgetränke.

Wie ist es zu dieser extremen Entwicklung gekommen?
Auch vor 30 Jahren wurde schon getrunken. Doch damals nicht so öffentlich. Das Tabu wurde durch Filme, Musikvideos und die Medien gebrochen. Da das gesellschaftlich nicht kritisiert wird, fühlen sich Jugendliche davon angezogen.

Kann man diesen Trend brechen?
Erwachsene sollten das Verhalten der Jugendlichen wieder sanktionieren. Es darf nicht sein, dass Eltern es normal finden, wenn sie mit einer Alkoholfahne nach Hause kommen. Und dass Lehrer nicht eingreifen, wenn Trainer nach dem Sport am Nachmittag einen Kasten Bier zur Belohnung spendieren. Es braucht eine gesellschaftliche Initiative, die wieder klare Trinkregeln schafft.

Was halten Sie von einem Alkoholverbot für Jugendliche?
Nichts. Dann besorgen sie sich den Alkohol auf anderem Wege. Wenn sich Geschäftsleute an den Jugendschutz halten und Eltern ihren Kindern ein genussorientiertes Trinken nahebringen würden, dann käme es nicht zu den Alkoholexzessen.

Mit MICHAEL LEYDECKER sprach Katja Müller