SchwarzePumpe bietet für Industrie-Investoren gute Voraussetzungen:Geeignete Anschlüsse für große Mengen Strom, Wasser und Abwasser,relativ niedrige Grundstücks-preise und Genehmigungssicherheit,weil bereits Industrieunternehmen vor Ort sind. Dazu gehören dieKohleveredlung und Bahnzentrale der Vattenfall Mining AG (ehemalsLaubag), ein neues Braunkohle-Kraftwerk, dasSekundärrohstoffverwertungszentrum (SVZ) und etwa einhundertkleinere Unternehmen.
Doch die Grundstücksverhältnisse sind kompliziert. Nicht nur,dass die Landesgrenze von Brandenburg und Sachsen durch dasIndustriegelände führt, neben privatisierten Bereichen wie SVZund Vattenfall gehören große Flächen der Lausitzer undMitteldeutschen Bergbau- Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV). DieLMBV hatte die Bereiche übernommen, die abgerissen und saniertwerden mussten.
Die Grundstückskarte gleicht deshalb heute einem Flickenteppich.„Keiner kann ohne den Anderen, das ist ein Problem, aber aucheine Chance“ , sagt Detlev Dähnert, zuständig für Rekultivierungund Umsiedlung bei Vattenfall Mining. Dähnert ist seit DezemberSprecher eines Beirates, der eine Projektgruppe zurNeuerschließung und Vermarktung des Standortes Schwarze Pumpekontrolliert.
Die schwierigen Grundstücksverhältnisse waren ein Grund, dieseGruppe vor wenigen Wochen zu gründen. Künftig wollen dieGrundstückseigentümer mit den zuständigen Kommunen an einemStrang ziehen, wenn es darum geht, den Industriestandort wiederzu füllen.
In der Projektgruppe arbeiten je ein Mitarbeiter von LMBV,Vattenfall und SVZ hauptamtlich mit. Im Beirat sind neben dendrei großen Unternehmen die Landräte vom Spree-Neiße-Kreis undvom Kreis Kamenz vertreten, sowie die Bürgermeister von Sprembergund Spreetal.
Die sächsische Gemeinde Spreetal hat selbst ein Indus-trie- undGewerbegebiet. Die Einbindung in die Projektgruppe soll unnötigeKonkurrenz vermeiden. „Es bringt nichts, wenn wir uns gegenseitigauf so engem Raum versuchen, die Investoren abzuwerben“ , warntDetlev Dähnert.
Die Projektgruppe für die Vermarktung der freien Flächen hat nachDähnerts Angaben einen klaren Plan. Zunächst wird der derzeitigeZustand aller verfügbaren Flächen einheitlich erfasst, egal werEigentümer ist. Dann soll ein Standortentwicklungskonzept mit dendazu notwendigen Maßnahmen vorgelegt werden. Bauabschnitte müssenfestgelegt, Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten gebündeltwerden. Damit sollen dann zielgerichtet Investoren geworben undVerträge vorbereitet werden.
Zielbranchen sind Unternehmen mit hohem Wasser- und Strombedarfund Bezug zu vorhandenen Unternehmen. Denkbar sind für DähnertChemieunternehmen mit Bezug zum SVZ oder die Baustoffindustrie,die Gips aus den Kraftwerken oder Ton aus den Tagebauenverarbeitet.
Schwarze Pumpe bietet Investoren noch einen anderen Vorteil. DieLMBV kann bei der Sanierung von Flächen die Wünsche künftigerBesitzer einbeziehen. Saniert wird so „nach Maߓ . DiePapierfabrik, für die gestern der Grundstückskauf besiegeltwurde, wird zum Beispiel fast vollständig auf der Fläche desabgerissenen alten Industrie-Kraftwerkes errichtet.
Zu DDR-Zeiten arbeiteten im Gaskombinat Schwarze Pumpe etwa 14000 Menschen, heute sind es auf dem Gelände noch reichlich 3000.Optimistische Schätzungen gehen davon aus, dass es in einigenJahren vielleicht 5000 sein könnten. Auf eine zeitliche Prognose,wann das Industriegelände wieder gut gefüllt sein wird, will sichDetlev Dähnert, Sprecher des Projektbeirates, jedoch nichtfestlegen: „Wir brauchen einen langen Atem und Konsequenz“ , sagter, „auch wenn wir mal zwei Jahre lang niemanden an der Angelhaben.“