Herr Tawfik, die Ägyptologie ist Ihnen faktisch in die Wiege gelegt worden. Sehen Sie das auch so?

Auf jeden Fall. Immerhin wurde ich in Giza geboren. Als Jugendlicher bin ich oft auf den Dachboden unseres Hauses geklettert und wollte die Pyramiden sehen. Das Weltkulturerbe gehörte für mich deshalb schon ein wenig zur Normalität. Und da mein Vater Dekan am archäologischen Institut der Universität Kairo war, stimmt das mit der Wiege durchaus. Ich war früh mit diesem Thema und den Problemen um die ägyptischen Kulturgüter befasst.

Ihren Doktortitel haben Sie in Bonn erworben. Sie sind heute ein gefragter Experte. Fühlen Sie sich als Kultur-Botschafter Ihres Landes?
Ich habe mich mit meinen Vorträgen in aller Welt immer als eine Art Brückenbauer gesehen. Für mich bietet Kultur die gute Möglichkeit, Menschen verschiedener Länder und Ideologien zusammenzuführen.

Wie bewerten Sie vor diesem Hintergrund den deutsch-ägyptischen Studiengang von BTU und Helwan Universität Kairo?
Das war eine Idee, die visionär in die Zukunft weist und die jetzt schon umgesetzt wird. Für uns geht es auch darum, für zwei große Museumsprojekte die passende Besetzung zu finden. Eine Ausbildung zum Kulturmanager - das gab es bei uns und in der gesamten arabischen Welt bisher nicht.

Hat der Arabische Frühling diesen Studiengang befördert?
Er hat seine Entstehung beschleunigt. Denn angedacht war er schon im Jahre 2011. Dass vom Deutschen Akademischen Auslandsdienst zur Unterstützung der Demokratiebewegungen auch in unserem Land dann sehr zügig finanzielle Mittel für den Studiengang bereitgestellt wurden, hat den Prozess schnell vorangebracht.

Welchen Stellenwert hat für Sie die Fachtagung hier in Cottbus?
Schon dreieinhalb Jahre nach dem "arabischen Frühling", die auch eine Revolution der Jugend war, ernten wir die ersten Früchte. Der Joint Master Studiengang, der sich mit der Bewahrung und dem Management von Welterbestätten beschäftigt, ist in Kairo und Cottbus in vollem Gange. Ich habe nicht gezögert, zur Fachtagung nach Cottbus zu kommen. Denn mit den Studenten darüber zu diskutieren, was archäologische Stätten sind oder wie deren Schätze präsentiert werden - das ist für mich reizvoll. Immerhin werden diese jungen Leute später die Verantwortung dafür tragen zu entscheiden, was erhaltenswert ist und was nicht.

Sind Kairo und Cottbus nicht eher ungleiche Partner?
Von den Dimensionen her sicherlich: Die Helwan Universität, die viertgrößte Uni in Kairo, hat 100 000 Studierende. Aus meiner Sicht kann sich die BTU durchaus damit rühmen, dass ihr Studiengang zum Kulturerbe-Management international so stark etabliert ist, dass sich Kairo für diese Kooperation entschieden hat.

Zurück nach Giza. Was macht das Spektakuläre der entstehenden "Pyramide der Moderne"aus?
Bisher waren 1500 Objekte des Grabinventars von Pharao Tutanchamun zu besichtigen. Wir werden im neuen Museum das komplette Inventar des Grabes ausstellen - insgesamt 4500 Objekte an einem Ort, der einen wunderbaren Blick auf die drei Pyramiden von Gizeh bietet. Mit diesem durchaus provokanten Bauwerk wollen wir neue Touristenströme in unser Land locken.

Mit Tarek Tawfik

sprach Christian Taubert

Zum Thema:
Zwei Tage haben Experten und Studierende der BTU Cottbus-Senftenberg und der Helwan Universität Kairo auf einer Fachkonferenz über die Vermittlung von Ergebnissen der weltweiten Kulturerbe-Forschung beraten. Die Konferenz begleitet den deutsch-ägyptischen Studiengang "Kulturerbe-Bewahrung und -stättenmanagement". Prof. Hosam Refai aus Kairo würdigte den multidisziplinären Studiengang gegenüber der RUNDSCHAU als "einmalig in der arabischen Welt". Dabei brauche man nicht nur in Ägypten dringend Kulturmanager. "Bedeutsam ist, dass dieser Studiengang trotz zweier Studienorte, Kairo und Cottbus, einen Abschluss haben wird", betonte der Leiter des Masterprogramms, Prof. Michael Schmidt.