" Und der Intendant der Neuen Bühne Senftenberg fügt hinzu: "Denn nur mit Kultur können Traumlandschaften eine reale Chance haben. Deshalb heißt es für uns Kulturmenschen, nicht artig im Spielzimmer zu verharren, sondern selbst Türen zu öffnen."

Diesen Faden nimmt Bäckermeister Peter Dreißig gern auf. "Wir alle müssen jetzt bei der Strukturentwicklung der Region Gas geben", erklärt der Präsident der Handwerkskammer Cottbus. Obwohl es jetzt mehr Klarheit über die Perspektiven der Braunkohle gebe, werde für etliche Handwerksbetriebe die wirtschaftliche Lage schlechter - wenn kein Ersatz für heutige Zulieferungen und Dienstleistungen an den Energiekonzern gefunden wird.

Dafür will der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) die Leag als Partner in die Pflicht nehmen. Für ihn machen die getroffenen Entscheidungen klar, "dass wir jeden Tag mit der Kohle nutzen müssen, um den Strukturwandel voranzubringen". Der Landrat von Oberspreewald-Lausitz, Siegurd Heinze (parteilos) fordert dafür aber auch die Bundespolitik mit ins Boot: "Der Bund ist gefordert, die Region auf Dauer finanziell zu unterstützen, um mit einer verbesserten Infrastruktur Firmenansiedlungen und -erweiterungen eine Kompensation für den Rückgang der Braunkohlenindustrie herbeizuführen".

Die Klinger Runde kündigt unterdessen an: "Solange noch weitere Dörfer von Abbaggerung bedroht sind, wird der Protest gegen die Planungen weitergehen." Dabei wird die Leag-Entscheidung zum Revierkonzept als positiv bewertet, zugleich aber als "längst überfällig und nicht ausreichend" eingestuft. Die weitere Verschiebung der Entscheidung zum Tagebauplan Welzow-Süd II stelle für die Betroffenen eine unzumutbare Härte dar.

Dass es nur Klarheit für Sachsen und Jänschwalde gibt, für Welzow und Proschim aber die Ungewissheit bleibt, "enttäuscht mich", sagt der Ortsvorsteher von Proschim, Gebhard Schulz (Bürgerinitiative Zukunft Proschim/Welzow). "Wir werden die Leag auffordern, sich in unserem Verein zur Entscheidung zu äußern." Für die Vorsitzende des Umweltausschusses in der Stadtverordnetenversammlung Welzow, Hannelore Wodtke (Grüne Zukunft Welzow) ist es "unverantwortlich, dass die jahrelange Zitterpartie weiter anhalten soll und die Menschen in Welzow zu einem Spielball von Interessen tschechischer Finanzspekulanten degradiert werden. Seit Jahren werden wir nur belogen, vertröstet und hingehalten."

Unterdessen will sich der Brandenburger Braunkohlenausschuss in einer Sondersitzung über die Leag-Pläne informieren lassen. Dabei sollen die Unternehmensstrategie und auch die Vorstellungen des Unternehmens für die gesamte Lausitz erörtert werden, wie Ausschusschef Holger Bartsch mitteilte.