Er heiratet eine US-Amerikanerin und dann entscheidet er sich für den Lebensmittelpunkt in Übersee.
Klinsmann entspricht dem Muster, das die Göttinger Soziologin Claudia Diehl aufzeichnet: Wer im Ausland lebt, der bleibt dann irgendwann kleben. Und "immer dann, wenn generell die Mobilität zunimmt, dann nimmt auch die dauerhafte, die permanente Abwanderung zu". Sie hat vor allem Abwanderung in die USA beobachtet und auch festgestellt, dass viele dorthin gehen, weil ihr Partner dort lebt. Aber auch Arbeitsmigration hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. 2005 suchten 15 000 Auswanderungswillige Rat beim Raphaels-Werk in Hamburg. Als Grund für das Verlassen des Landes nannten etwa 70 Prozent berufliche oder wirtschaftliche Gründe.
"Dahinter steckt, dass Leute auf dem deutschen Arbeitsmarkt für sich keine wirkliche Perspektive mehr entdecken können", sagt die Geschäftsführerin des kirchlichen Beratungsvereins, Gabriele Mertens. Auch Soziologin Diehl geht mit Blick auf Ärzte oder Handwerker von einer zunehmenden Wanderung durch den EU- Binnenmarkt aus. Die Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit in Bonn bestätigt diesen Trend. Auch sie registrierte in den vergangenen drei Jahren eine Zunahme bei der Vermittlung von Arbeitslosen ins Ausland.
Erstmals verließen 2005 mehr Deutsche das Land als sich Bundesbürger zurückmeldeten. Nach Angaben des statistischen Bundesamtes gingen 145 000, es kamen 128 000. Daraus entsteht zum ersten Mal seit dem Beginn der Zählung Anfang der 1950er-Jahre ein negativer Wanderungssaldo von 17 000 Deutschen. "Der Wanderungssaldo ist ja weitaus weniger beeindruckend als die Auswanderungszahlen", sagt Soziologin Diehl.
Was also ist faul im Staate Deutschland? Schon der Chefredakteur der Jugendillustrierten "Bravo", Tom Junkersdorf, zeichnet "existenzielle Ängste" auf: "Die Jugendlichen wachsen in Zeiten auf von Arbeitslosigkeit und Hartz IV." Und es sind diese Gründe, die einen Teil der Deutschen forttreiben.
Doch im Urteil der Migrationsexperten ist die Bundesrepublik noch kein Auswanderungsland. Die Fachleute sind besorgt, dass immer mehr Hochqualifizierte ins Ausland gehen. Eine OECD-Studie zeigt: Deutsche Experten hält es nicht im Land der Dichter und Denker, ausländische Spitzenforscher zieht es nicht hierher.