Es gibt ein paar Neuerungen. Zum einen hat die AfD eine eigene Gedenk-Kundgebung auf dem Altmarkt angemeldet. Zum anderen will Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) für den kritischsten Tag im Dresdner Jahreskalender einen neuen Style etablieren. Alles soll freier, ungezwungener werden. "Weniger Protokoll, dafür mehr Inhalt und Kreativität", proklamiert der 44-jährige Rathauschef für den 71. Jahrestag der Zerstörung der Stadt. Die Dresdner, sagt Hilbert, bräuchten "keine Rituale mehr, in denen die Obrigkeit das Gedenken erklärt" - und sie bräuchten auch "die Stadtverwaltung nicht dafür, um vielfältiges Gedenken zu organisieren".

Für die neue Zwanglosigkeit musste die zentrale Gedenkveranstaltung auf dem Heidefriedhof weichen. Einen kleinen Akt gibt es dort zwar, wie üblich um zehn Uhr - dazu lädt aber nicht mehr die Stadtverwaltung, sondern ein Verein. Gleichzeitig werden sich Menschen zum dezentralen Gedenken versammeln. So an den Kindergräbern auf dem St.-Pauli-Friedhof, dem Matthäusfriedhof, dem Urnenhain Tolkewitz, aber auch am alten Leipziger Bahnhof in Dresden Neustadt, von dem aus vor der Zerstörung Tausende Dresdner Juden in die Vernichtungslager deportiert wurden.

Dass Orte von Nazi-Verbrechen am Gedenktag in den Fokus rücken, ist nicht neu. Hilbert will so den Bogen schlagen zum Mahngang Täterspuren, den das "Bündnis Dresden nazifrei" seit Jahren begeht.

Das Bündnis rechnet fest damit, dass sich auch die Neonazis am Gedenktag blicken lassen. Bis Mittwoch lag der Versammlungsbehörde zwar noch keine Demo-Anmeldung aus dieser Ecke vor. Das ist aber das übliche Spiel. Die Szene setzt längst nicht mehr auf den einen großen Aufmarsch, sondern auf kurzfristige Blitz-Auftritte. "Mindestens in dem Ausmaß, dass sie versuchen, sich in kleineren, guerillaartigen Aktionen zum Beispiel in die Menschenkette einzumischen", sagte Bündnis-Sprecher Silvio Lang am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Flyer für einen "Gedenkmarsch" hatten Neonazis schon bei der Pegida-Demonstration am vergangenen Sonnabend verteilt. Wenn sie kommen, so Lang, werde man "versuchen, sie zu blockieren".

Gegen den Missbrauch des Gedenkens soll sich am Abend, 18 Uhr, die Menschenkette um die Stadt schließen. Mit knapp 270 Plakaten wirbt die Stadtverwaltung für die Teilnahme an der Menschenkette. Man wolle so "der Welt zeigen, dass aus Dresden auch Zuversicht und Mut kommen", so der Rektor der TU Dresden, Hans Müller-Steinhagen.