Sicherheitsexperten sprechen von "weichen Zielen" und zählen dazu U-Bahnen, Sportstadien - oder auch Weihnachtsmärkte.
Zu Beginn der Weihnachtsmarktsaison haben einige Städte in Deutschland deshalb aus Sorge um die Sicherheit ihrer Gäste ihr Polizeiaufgebot erhöht. Innenminister Otto Schily (SPD) warnt zwar davor, in Panik zu verfallen. Gleichzeitig räumt er ein, dass es keinen vollständigen Schutz für "weiche Ziele" geben kann.
Der Nürnberger Christkindlesmarkt gilt als der bekannteste in Deutschland und hat damit einen hohen Symbolwert. "Die Sicherheitsmaßnahmen auf dem Christkindlesmarkt werden in diesem Jahr sehr hoch sein", sagte ein Sprecher von Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU). Laut Polizei wird die Streifentätigkeit stark ausgeweitet und besonders die sichtbare Präsenz der Beamten erhöht. Hinweise auf eine konkrete Bedrohung gebe es aber nicht, wird betont.
Auch für die Polizei in Stuttgart endete mit der Eröffnung des dortigen Weihnachtsmarkts, der zu den größten Europas zählt, die besinnliche Zeit. Nach den jüngsten, Osama bin Laden zugeschriebenen Drohungen auch gegen Deutschland werde die Zahl der Einsatzkräfte "selbstverständlich" erhöht, sagte Dieter Wiesinger, Sprecher des Innenministeriums in Baden-Württemberg. Der Stuttgarter Markt zähle trotz der erwarteten mehreren Millionen Besucher zwar nicht zu einem Ereignis mit hohem Symbolwert. Aus Vorsorgegründen werde es aber eine "deutlich erhöhte Streifentätigkeit" geben.
Bei der Gratwanderung zwischen Vorsicht und Panikmache befinden sich die Politiker in der Zwickmühle: Der aus Nürnberg stammende Beckstein warnt zum einen immer wieder vor der drohenden Gefahr durch den islamistischen Terrorismus auch in Deutschland und erhöhte nach den Anschlägen von Mombasa noch die Sicherheitsvorkehrungen an den bayerischen Flughäfen. Auf der anderen Seite betont er, dass er selbst auch auf Weihnachtsmärkte gehe. In seinem Ministerium heißt es aber auch, dass natürlich auch Weihnachtsmärkte zum Ziel eines Anschlags werden können. Als mahnendes Beispiel nennt ein Beckstein-Sprecher Straßburg. Dort sollte im Dezember 2000 ein Bombenanschlag verübt werden, der sich nach bisherigen Ermittlungen auf ein öffentliches Gebäude oder eben den dortigen Weihnachtsmarkt richten sollte. Mittlerweile wurden elf Menschen im Zusammenhang mit den Plänen festgenommen, gegen fünf läuft in Frankfurt am Main ein Prozess. Auch die französischen Nachbarn erhöhten daher in diesem Jahr die Sicherheitsmaßnahmen. Unter anderem wurden am traditionellen "Christkindlsmärik" vor dem Straßburger Münster und drei kleineren Märkten zwölf Videokameras installiert.
Von der öffentlichen Bekanntgabe der Schutzmaßnahmen hält Schily allerdings nichts. Solche Ankündigungen warnten genau jene, denen diese zusätzlichen Maßnahmen gelten, kritisierte Schily etwa Beckstein, nachdem dieser seine Pläne zum Schutz der bayerischen Flughäfen veröffentlicht hatte. "Ich glaube, dass das nicht so geschickt ist, darüber öffentlich zu räsonieren."